aus 2041/16

Eine Erklärung wird angekündigt.
„Ich kenne das Buch gar nicht. Mich hat nur die Zahl fasziniert. Es ist ja offensichtlich eine Jahreszahl. Vor hundert Jahren. Das interessiert mich.“
Veronika schaute ihn prüfend an. „Und warum interessieren Sie sich für eine derartige Jahreszahl?“
„Ich bin auf der Suche nach historischen Daten. Ich habe festgestellt, dass es kaum Material über die Zeit vor 2040 gibt. Eigentlich gibt es gar nichts. Jetzt habe ich einen Tipp bekommen, dass ich vielleicht in einem Museum fündig werden könnte. Aber offensichtlich gibt es da auch nichts. Zumindest nicht dort, wo ich war.“
– „Und haben Sie eine Erklärung oder Vermutung, warum das so ist?“
Hartmut nickte nachdenklich. „Ich habe eben keine. Ich bin ganz am Anfang meiner Suche.“
In der Zwischenzeit waren die beiden an der Kreuzung Heiligenstädterstrasse Barawitzkagasse angelangt. „Ich nehme an, Sie wollen zur Nummer 10.“ warf Veronika ein.
Hartmut war über das Wundern hinaus. „Ja, Sie haben offensichtlich Erfahrung damit, was passiert, wenn man 1984 anklickt.“
Veronika ging auf die Bemerkung nicht ein. Unvermutet fragte sie plötzlich: „Was haben Sie den für eine Einstufung?“ Hartmut antwortete, dass er nicht wisse was sie meine. Das schien Veronika nicht zu überraschen. „Nun, Sie müssen mindestens 2 wenn nicht 3 haben, wenn man Ihnen eine Besuch in Alt-Wien erlaubt. Sind Sie sich eigentlich bewusst, welche Privilegien Sie haben?“
„Nun, es geht mir gut, ich habe keine Sorgen, ich hatte sogar Arbeit. Jetzt bin ich in Pension.“
„Wenn es das Buch noch zu lesen gäbe und Sie es gelesen hätten, wären Sie all ihrer Privilegien verlustig gegangen. Haben Sie den Hinweis auf klassifizierte Information nicht gelesen? Beim vierten Versuch, das Buch zu öffnen, hätte man Sie herabgestuft. Sie wären neugierig gewesen und hätten weiter geforscht und schlussendlich wären Sie auf Stufe 0 gelandet. Sie würden ihr Haus verlieren und in eine Innenstadt ziehen müssen.“
Sie waren vor dem Haus Nr. 10 angelangt. Die Fassade des Hauses wies eine stark angedunkelte grüne Farbe auf. Es gab eine Klingelanlage, doch Veronika hielt eine Marke an das Schloß und Sie betraten das Stiegenhaus. Allerdings gab es nur wenige Stufen in ein Parterre, danach ging es wieder hinunter in den Keller, der einzelne Abteile für die Mieter aufwies. Es gab eine Türe, die sich von den anderen unterschied. Sie war fast nicht im Dunklen zu erkennen. Wieder hielt Veronika ihre Marke an die Tür und sie öffnete sich nach einer gewissen Wartezeit. Als die Türe offen stand, konnte Hartmut erkennen, dass es sich um eine Sicherheitstüre mit mehreren mechanischen Verriegelungen handelte.
Es gab nur eine spärliche Beleuchtung, die im wesentlichen von ein paar Bildschirmen herrührte. Ein Mann kam auf sie zu und begrüßte Veronika mit einem Vorwurf: „Bist Du wahnsinnig, den Typen hierher zu bringen.“
Veronika antwortete: „Natürlich bin ich wahnsinnig wie wir alle hier. Aber habe ich mich je in meiner Menscheneinschätzung getäuscht?“ Es gab ein abfälliges Grunzen. „Nun, jetzt ist er hier, was machen wir mit ihm?“
„Wir müssen für ihn eine Identität basteln. Eine, welche sein Interesse für 1984 zufällig erscheinen lässt. Es war ja wirklich zufällig, aber seine Nachfrage bedeutet ein Risiko für uns. Wir sollten unseren Stub entfernen.“
„Ist schon passiert. Nachdem er noch zweimal versucht hat, nach zu fassen, wird 1984 sicher untersucht werden. Hoffentlich gibt es keine Spuren mehr von uns.“
„Und die Logs? Hast Du die auch manipulieren können?“ – Zumindest gibt es keine Hinweise mehr auf „Barawitzkagasse. Alles andere ist nicht relevant. Man weiß, dass es uns gibt, aber man duldet uns, solange wir nicht an die Öffentlichkeit treten. Soweit ist alles in Ordnung. Nur dein ‚Bekannter‘ ist noch ein gewisses Risiko.“
Hartmut hörte mit steigender Verwunderung zu. Was er zu verstehen glaubte, war eine Beeinflussung des Computersystems durch den Typen hier im Keller. Er hatte keine Ahnung, was das bedeutete. Seit 2040 gab es keine Hinweise mehr auf Viren, Trojaner oder andere Schadsoftware. Selbst mit dem Begriff Trojaner hätte Hartmut nichts anfangen können.
„Trinken wir einmal einen Tee und ich werde Hartmut aufklären.“
Im nächsten Raum, der Küche und Essecke in einem war, wurde Tee gekocht. „Wir sind keine guten Gastgeber, denn wir scheuen jeden Kontakt mit den herkömmlichen Einrichtungen, es sei denn es ist notwendig wie z.B. heute.“ Sie nahm ihre Perücke und die Brille ab. Plötzlich war sie zu einer sehr gut aussehenden Blondine verwandelt, obwohl sie von ihrer Ausstrahlung her selbst keine Notiz zu nehmen schien.
„Also Hartmut, sag uns, was der eigentliche Auslöser für deinen Besuch in Alt-Wien ist.“
Was sollte er sagen. Er erinnerte sich an sein Gespräch mit Peter. „Es geht uns sehr gut, aber irgendetwas stimmt nicht.“
Er sagte es halblaut, so wie er es sich in Erinnerung rief.
„Und was stimmt nicht?“ – „Es läuft zu gut! Ich habe das Gefühl, dass es nicht immer so war, aber ich kann das Gefühl nirgendwo festmachen.“
„Sie haben ein gutes Gefühl. Sie haben recht, etwas stimmt nicht. Aber Sie haben keine Ahnung, was nicht stimmt.“
Veronika holte tief Atem. „Was ich Ihnen jetzt sagen werde, wird Sie beunruhigen. Es muss Sie beunruhigen. Denn Ihr Leben ist in Gefahr.“
Hartmut nahm das vorab mit Gleichmut hin. Er erinnerte sich an das, was Valerie ihm gesagt hatte. „Ich bin alt genug und muss mir kein Blatt mehr vor den Mund nehmen.“
Sollte das für ihn ebenfalls bereits gelten?
Veronika stellte eine direkte Frage: „Wer kontrolliert Ihrer Meinung nach das, was auf der Welt geschieht? Global?“
Hartmut war versucht zu sagen: „Die Politiker“.
Er überraschte sich allerdings selbst mit der Erkenntnis, dass das nicht stimmen könnte. Er korrigierte seine unmittelbare Reaktion auf „Ich nehme an, die Politiker, aber ich weiß nicht, wer die kontrolliert.“
Veronika nickte zustimmend.
„Richtig! Wer kontrolliert die Politiker? – Nun nehmen wir einmal an, dass es da eine Kontrollinstanz gibt. Die operiert ja gar nicht so schlecht. Viele Probleme, welche die Menschen früher hatten, gibt es nicht mehr.“
Hartmut nickte.
„Es gibt auch kein Verbrechen mehr. Ist Ihnen aufgefallen, dass manche Menschen einfach von der Bildfläche verschwinden?“ Hartmut nickte.
„Sie sind in Gefahr, dass das mit Ihnen auch passiert. Es passiert mit all denen, die vermuten, dass es ein System gibt, ein System hinter den Politikern. Es gibt keine Prozesse. Es gibt keine Rechtsprechung. Der reine Verdacht reicht aus, um jemanden als Gefahr für das System einzustufen und ihn zu eliminieren.“
Hartmut zögerte, es war schwer das so einfach zu verdauen.
„Gibt es jemanden in Ihrer Umgebung, der scheinbar mehr zu wissen scheint?“ Hartmut verneinte, obwohl er langsam unsicher wurde. Peter, der da plötzlich im Infoautomaten aufgetaucht war, konnte schon so jemand sein.
„Trinken Sie Ihren Tee. Dann gebe ich Ihnen ein ungefähres Bild von der Situation. Bis jetzt hat Sie ihre Naivität geschützt, aber nun wird es besser sein, wenn Sie sich der Gefahren bewusst sind.“
Hartmut rätselte: was konnte jenes System sein, das als so gefährlich geschildert wurde.
Veronika fing an zu erklären.


  1. Du kannst doch da jetzt nicht einfach aufhören!
    Bitteschön, ja, dann bist du auch mitverantwortlich dafür, dass ich mich heute nacht ruhelos im Bett herumwälze, was meine Frau aufwecken wird und die ist dann morgen nicht ausgeschlafen, was wiederum heisst, für´s Frühstück ein weiches Ei und Orangensaft zum kunstvoll verziert belegten Frühstücksbrot.
    Jetzt haben wir aber keine Eier mehr im Kühlschrank, also muss ich noch welche besorgen, allerdings müßte ich auch noch die Umsatzsteuervoranmeldung machen, weil morgen ist ja der Fünfzehnte, was terminlich ein bisserl Probleme macht, sperren die Geschägte ja auch einmal zu (na ja, vielleicht der Shop in der Tankstelle).
    Ich könnt ja versuchen mit Blumen, die bekomm ich gleich nebenan, aber Eier haben die nicht, also halbe Sache, ausserdem sind die letzten Blumen noch nicht ganz welk.
    Ich könnt Schlafmittel nehmen, aber die hab ich auch nicht vorrätig, und da verschreibungspflichtig, müsst ich noch zur Ärztin, aber die hat nur bis 17:00, geht sich also nicht aus.
    Ich tät dich also bitten, ehestmöglich eine Fortführung der Geschichte ins Netz zu stellen, anderenfalls hätt ich Probleme.

  2. ahh….. merci fürs weitermachen!




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