Bekennender Nazi

… bin ich ja nun nicht.
Es kommt mir allerdings so vor, dass die wesentlichen Probleme auf unserer Welt vollkommen atavistischer Natur sind. Manchmal auch antiatavistisch, wenn ich daran denke, dass Eifersucht einmal nicht unbedingt als besonderer Liebesbeweis gewertet wurde.
Aber mir geht es hier um Nationalisten und Separatisten im allgemeinen. Egal wo und egal, wie sie heißen.
Vor 15 Jahren wusste ich über die Kurden nichts – bis noch weniger als nichts. Das änderte sich, als sich Kollegen eines externen Mitarbeiters über dessen politische Telefonate beschwerten.
Es stellte sich heraus, dass er Kurde war und außerdem die PKK favorisierte. Er sah seine Arbeit nicht als Gelderwerb sondern eher als Tarnkappe für seine Aktivitäten an.
Ich schmiss ihn augenblicklich der Vermittlungsfirma zurück, nachdem ich mich selbst davon überzeugt hatte, dass das mit den Telefonaten stimmte.
Jetzt würde ich nicht so weit gehen, dass alle Kurden verschwinden sollten, aber ich würde nie mehr einen Kurden anstellen. Er hatte sich auch im Gespräch uneinsichtig gezeigt und fand seine Handlungsweise ganz in Ordnung.
Viele andere Separatisten anderer Länder würden das auch tun. Im Kampf für ihre eigene Freiheit wird jeder im friedlichen Ausland als Gegner oder zumindest als Behinderer interpretiert.
Das wäre jetzt ja sehr ungerecht, wenn ich eine ganze Gruppe anhand des Fehlverhaltens eines einzelnen beurteilen wollte.
Was mir aber auffällt, ist die ideologische Untermauerung for terroristische und kriminalistische Aktionen.
Der Begriff „Heimat“ wird aber offensichtlich genauso oft missbraucht, wie die Inhalte von Religionen. Die Menschen brauchen etwas, was Ihnen vorgegeben wird. Insofern ist eine Rebellengruppe nicht besser als das, wogegen sie ankämpft. Vermutlich rührt auch daher der Spruch: die Revolution frißt ihre Kinder.
Wollte ich mal geschrieben haben.
P.S. Und mit dieser Grundhaltung entschuldige ich auch die Deutschen und Österreicher, die einem Hitler auf den Leim gegangen sind. Ich entschuldige nicht die Verbrechen, die sie an anderen begangen haben. Und ich entschuldige nicht, dass sie die mieseste Sau aus sich herausgelassen haben, weil sie dachten: jetzt ist das erlaubt.
Nur die Frage „Wie konntet ihr nur?“ würde ich heute nicht mehr stellen.
Denn wir können auch.
Yes, we can!


  1. „… Ich würde nie mehr einen Kurden anstellen“, na ja, das wär meiner Meinung nach aber auch überdenkenswürdig, auch wenn ich vermutlich erst einmal auch so handeln würde, gibt´s doch nicht wenige Kurden, die eigentlich nur leben wollen und mit der PKK nichts am Hut haben. Wir denken also auch sowas wie national.

    Ich hatte jahrelang Aversionen gegen Serben. Einstens hatten wir eine kroatische Flüchtlingsfamilie aufgenommen, die verständlicherweise an Serbien kein gutes Haar gelassen hat. Unsere serbischen Putzfrauen tun heute noch das Ihre, eine Nation, oder Volksgruppe, in eine Schublade zu tun, piesaken sie doch die kosovarische Schulwartin wo´s nur geht (die kroatische lassen sie halbwegs in Ruh).
    Andererseits war ich in Serbien, und siehe da, da leben ganz normale Menschen, also soweit man heut noch normal sein kann, die wollen etwas tun und einfach leben, liebenswert.

    Grundreinigung, externe Firma, Kurden. Das erste was sie gefragt haben, „Arbeiten hier Türken?“, da war ich doch perplex.
    Andererseits, Auslieferung einer Reinigungsmaterialfirma, ein Türke und ein Kurde, funktioniert reibungslos.

    Was will ich sagen?
    Wenn wir das Spiel mit den Schubladen mitspielen, na ja, sehr viel anders als die, die wir kritisieren, sind wir dann auch nicht.

    Aber no na, wenn ein Mensch seinen Arbeitsplatz für Feldzüge misbraucht, dann hat er da nichts verloren.

  2. AndreaHerrmann

    Extremismus ist nie gut Extremismus ist doch nie gut, egal welcher Nationalität. Wenn jemand anfängt, Menschen aus irgendeinem Grund (Nation, Geschlecht, Alter, etc) als minderwertig zu betrachten, dann ist das für mich inzwischen sowieso ein Alarmzeichen. Denn welche Garantie habe ich, dass ich für diese Person immer ein Mensch sein werde? Und nicht in eine der Schubladen gesteckt werde, in der nur Kakerlaken hausen, die zertreten werden müssen? Ich sehe mir darum jeden erstmal als Menschen an. Es gibt überall solche und solche, wie wir im Schwäbischen sagen. (Ja, so viel Weltläufigkeit würde man uns gar nicht zutrauen…) Die meisten Menschen sind ganz normal und harmlos. Wir sollten uns das Leben nicht von den wenigen seltsamen oder gefährlichen Mitmenschen vermiesen lassen.

    Dieser Beispiel-Kurde war nun leider ein Extrembeispiel. Er hat seine Arbeit nicht so gemacht, wie er das hätte tun sollen, sondern hat Beruf mit Privatem vermischt. Das geht so nicht.

  3. Sunnilein

    Wenn ich Gast bin… fühle ich mich a) verpflichtet höflich und freundlich die Gegebenheiten meines Gastlandes, und ich war in sehr vielen – Ost wie West zu Gast – zu verstehen und mich ihnen, soweit es irgend möglich ist, anzugleichen und b) für mein eigenes, mein Geburtsland, zufälliges, wie jeder weiß, ein möglichst gutes, akzeptables Beispiel abzugeben (Siehe Herr Steppenhund).
    Gleiches erwarte ich von Gästen in meinem Land, umso mehr wenn ich finanziell auf die Hilfe der gastgebenden Menschen angewiesen bin.
    Im Ausland hatte ich nie, an keiner Stelle unrühmliche Vorkommnisse. Auch keinerlei unfreundliche Anwürfe aus deutscher, wenn auch nicht von meiner Generation entfachter, Vergangenheit.
    Seit wir ca. 100 Asylsuchende aus Tschetschenien, Afghanistan, Serbien und Syrien haben, schon. Nicht dass jemand meint, ich würde tägliche Dankesbezeugungen erwarten. Aber wenn man – nur als kleines Beispiel – tolle , nicht mehr gebrauchte Kinderfahrräder verschenkt, Spielzeug, Kinder – und Erwachsenenkleidung bringt, dann möchte man Teile dieser Dinge sicher nicht 14 Tage später im nassen Modder des Straßengrabens finden. Ich hab keine Erklärung dafür, so verzweifelt ich sie suche. Dass jemand versucht, seine Familie vor Krieg und Tod zu retten, finde ich durchaus verständlich. Die geschilderten Verhaltensweisen nicht, auch nicht Angriffe der Asylanten untereinander, die durchaus mit Polizeieinsatz enden. Sollte man diesen Gedankengang aber laut aussprechen, muss man durchaus mit dem Anwurf rechnen, ein Nazi zu sein und zwar sofort. Als ich mich darüber mit unserer teilweise italienischen/französischen Familie unterhielt, schaut man mich erstaunt an, verstehen konnte man es nicht…

  4. Die Sache ist einfach:
    Man werfe nie alle Menschen einer Gruppe in einen Topf.
    Egal ob Rapid-Fans, Kurden, Bartträger, Homosexuelle, Helene-Fischer-Fans, Opel-Fahrer, Rolex-Träger, Vegetarier, Pfarrer, Turnleherer, Glatzenträger, Juden, Burgenländer, Blogger usw.
    Auch Sie sind Teil mehrerer Gruppen und können nicht, ob des Fehlverhaltens Einzelner dafür gebrandmarkt werden. Das ist dumm, engstirnig und bereitet den Boden, für das, was uns die Geschichte schon so oft schmerzhaft beigebracht hat.
    Egal ob religiöse Zugehörigkeit, Abstammung, sexuelle Orientierung, kulinarische Vorlieben – was auch immer.
    Jeder Mensch ist ein Individuum und als solches zu sehen.
    Es gibt sie nicht, DIE Kurden.
    Nicht so, wie Sie sie beschreiben.

  5. iGing

    „Jeder Mensch ist ein Individuum und als solches zu sehen.“

    Da gebe ich Ihnen vollkommen recht! Das ist immer meine Sichtweise gewesen und danach lebe ich. Nur manchmal frage ich mich, ob nicht auch eine gehörige Portion Blauäugigkeit dabei ist. Und mittlerweile habe ich eben auch Erfahrungen gemacht, die genau dafür sprechen.

  6. Sunnilein

    Nur ganz kurz zur Kleiderfrage: Es handelte sich fast ausschließlich um neue oder einmalig getragene Kleidung, es war vorher eindringlich gefragt worden, ob man etwas brauche, die Antwort war:Kleidung für Kinder und Erwachsene. Und dass ein nagelneues Kinderfahrrad ehrenrührig sei, habe ich noch nie erfahren. Wir sind damit aufgewachsen , Dinge, die entsprechend zu gebrauchen sind, weiter zu geben. Und selbst wenn ich das nicht bin (siehe obiger Kommentar): wenn ich nichts anzuziehen habe oder äußerst wenig und wenn ich froh bin, meine „Haut“ gerettet zu haben, dann sollte ich eventuell in der Lage sein auch über meinen Schatten zu springen und Dinge anzunehmen. Übrigens war das in diesem Fall, und der steht ja auch nicht exemplarisch für ALLE!, mehrfach der Fall. Also es betraf bei weitem nicht nur unsere Familie. Aber ich würde daraus nicht ableiten wollen, dass alle Asylanten so sind, mitnichten!

  7. Sunnilein

    Genauso lief und läuft es bei uns. Und ich spreche hier von großteils ebenso teuren Einzelstücken(die es ja netter und unnötigerweise nun auch für Babys und Kleinkinder gibt), in höchstem Maße sauber und eben teilweise gekauft, aber nie getragen. Gleiches galt für Spielzeug, Bett-und Tischwäsche…Die landete zu Teilen in den Müllkübeln, noch in Folie verpackt. Aber genug. Ich frage mich nur, warum wir für unsere zahlreichen Mitbürger, die gezwungen sind in Kleiderkammer und Tafel nach etwas zu suchen, offenbar nicht die gleichen Maßstäbe haben wie die Rücksichtnahmen auf Befindlichkeiten, die man sich eben leisten können muss. Das verärgert mich fast mehr. Aber es hat nicht grundlegend mit dem politischen Problem zu tun. Ich selbst war oft in Russland,auch als es noch SU hieß, ich habe dort sicher 15 Volksgruppen kennen gelernt, auch über einen Zeitraum, der einen Einblick ermöglicht. Feinde waren sie nicht, sicher aus subjektivem Empfinden nicht jeder jedes Freund, aber ist das bei uns anders? Darum verwirren, ärgern und bekümmern mich die heutigentags stattfindenden Kriege, in denen Tausende ihr Leben lassen für krude Ideen umsomehr!Gesteuert von der einfachen Idee Profit zu machen, lanciert über religiöse Eiferer, nichts weiter. So war es und so wird es immer sein.

  8. iGing

    @ Sunnilein:
    Natürlich habe ich auch keinerlei Erklärung für das, was Ihnen da begegnet ist. Ich schreibe nur Sachen, die mir eben dazu einfallen. Einmal sagte mir jemand, es sei genauso schwer anzunehmen wie zu geben. Anscheinend trifft das auch auf Menschen in Notlagen zu, aus welchen Gründen auch immer.

  9. @harfim 17. Okt, 10:03 Ja, wir können stolz darauf sein, dass wir in einem
    „reichen“ Land geboren wurden …

    :-(((

  10. iGing

    Ich habe einen meiner Kommentare sowie einen Satz aus einem weiteren Kommentar gelöscht. Es ist mir lieber, wenn der darin hergestellte Zusammenhang nicht öffentlich stehenbleibt. Ich bitte um Entschuldigung!




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