Cecil und sein Don Juan

Hochzeit des Figaro
Die verkaufte Braut
Rosenkavalier
Meistersinger
Hänsel und Gretel

Das waren die „Hausopern“ meiner Familie. Wenn die im Radio übertragen wurden, war alles andere unwesentlich. Als wir dann einen Plattenspieler bekamen, gab es einige dieser Opern auch auf Langspielplatten. Aber das war viel später.
„Der Rosenkavalier“ war die erste Oper, die ich in der Staatsoper auf Stehplatz sah. Damals war ich 15 Jahre und mein Vater meinte, dass ich eigentlich zu jung für die Oper sei. Aber dann hat er mir alles in der Vorbereitung erzählt. Aufgeklärt war ich an sich schon, aber die Verherrlichung einer Affaire in der Oper war halt etwas unmoralisch.
Natürlich ist „Die Hochzeit des Figaro“ auch nicht gerade jugendfrei, aber die Anspielung aufs Bett beschränkt sich auf das Vermessen des selben.

Mein Freund bevorzugte den „Don Giovanni“. Ich konnte mich später überzeugen lassen, dass der „Don Giovanni“ musikalisch die anderen Mozart-Opern übertrifft. Das betrifft besonders die Stelle, wo Mozart in nur zwei Takten den Übergang von überschäumender Freude zu schlimmstem Entsetzen bewerkstelligt.
Heute habe ich mir am Vormittag eine Übertragung der Salzburger Festspiele angesehen. Wunderschön und ich hatte auch an der Regie nichts auszusetzen. Im Gegenteil, es war ersichtlich, dass der Don Juan wirklich als Sexoholic dargestellt wurde, der auch sonst nichts von Lebensfreude sondern nur an am besten verbotenen Genüssen hält.
(Ich selbst bin nicht in der Position, mich hier als Moralist aufzuspielen. Doch wenn man sich über bestimmte Grenzen hinweg setzt, sollte man doch etwas davon haben.)
Ich habe mir heute überlegt, warum die Leute so gern den „Don Giovanni“ sehen. Die Musik ist natürlich toll, aber sie wollen ja auch das Theater sehen. Und es scheint so, dass es eine Verwandschaft zu den unzähligen Kriminalserien im Fernsehen gibt. Dort wünscht man sich ja, dass der Verbrecher bestraft wird.
Doch jetzt könnte ich mir vorstellen, dass es eine neue Figur für ein derartiges Stück geben könnte. Einen Dentisten, den nichts mehr reizt, als Tiere zu töten. Auch der Löwe muss zuerst „verführt“ werden, den geschützten Bereich zu verlassen. Und ich gebe es zu, ich würde mir hier einen ähnlichen Schluss wünschen, wie er im Fernsehen oder in der Oper passiert.




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