das leidige Thema – Mathematik

Ich schreibe diesen Text nicht, um mich zum zehnten Mal zu wiederholen. Aber meine Beschäftigung mit dem Vokabellernen auf memrise zeigt mir, dass ein ungemeines Lernpensum möglich ist, wenn nur die Lerneinheiten klein genug sind. (Bei Chinesisch bin ich mit 10 neuen Vokabeln durchaus ausgelastet, bei Serbisch dürfen es auch 30 sein. Doch in der Beschränkung liegt die Stärke.)

Im Standard lese ich heute über die Angst der LehrerInnen vor der Zentralmatura. Besonders oder auch speziell Mathematik wird da als Beispiel herangezogen.
Vor wenigen Wochen wurde ein Kommentar von mir aufs Heftigste kritisiert, in dem ich behauptet habe, dass man den Unterricht so gestalten könne, dass man nur 5 Minuten Stoff vorträgt und den Rest über Rechnen an der Tafel erledigt, wobei jeder Schüler, auch die schwachen drankommen. Denn nur dann stellt man fest, wo die eigentlichen Verständigungsschwierigkeiten her rühren. Bin ich doch tatsächlich von einer Professorin, die wie sie selbst behauptet 32 Jahre BHS-Lehrerfahrung hat, angegriffen worden, dass es unmöglich sei, etwas in fünf Minuten zu erklären. Jemand hat mir dann ein typisches PISA-Problem aufgegeben und mich gefragt, wie ich das mit Mitteln des Unterstufenstoffs überhaupt erklären könne. Meine Antwort war ein Zehnzeiler, der das Problem lösen konnte. Aber seither habe ich nichts mehr von dem Leser gehört.

Gestern lese ich auf Facebook ein Einsteinzitat: wer etwas nicht einfach erklären kann, hat den Stoff selbst nicht kapiert. Obwohl ich nicht jedes Einsteinzitat mag, kann ich dem zustimmen. Dazu passt auch Coelho, (den ich sonst auch nicht mag) dessen (hier sinngemäße) Aussage auf einer Tafel vor dem Stift Göttweig zu lesen ist: „Wenn man etwas wirklich gut verstehen will, muss man es lehren können.“

Das bringt mich auf eine Erweiterung meiner „pädagogischen“ Erkenntnisse. In der heutigen Zeit klagen die Eltern darüber, dass sie nicht mehr verstehen, was die Jugend lernt. (Ehrlich gesagt trifft das auf mich nicht zu, aber das ist ein anderes Kapitel.)
Jetzt könnte der Unterricht so aussehen:
1) 5-10 Minuten Frontalvortrag
2) 30 Minuten Rechnen an der Tafel
3) 5 Minuten Sammeln der Fragen, die vom letztmaligen Stoff übrig geblieben sind.

Als Hausaufgabe gibt es für Mathematik ein Pensum von 30 Minuten Beispiele rechnen und 15 Minuten, der Mutter oder dem Vater erklären, was man genau in dieser Stunde gelernt hat. In einem Logbuch schreibt dann der Erziehungsberechtigte entweder ein ok-Hakerl oder einen Satz, was nicht verstanden wurde.
Ich glaube, dass hier mehrere Fliegen mit einem Schlag erledigt werden. Soziale Interaktion, familiäre Bindung und stark verbesserter Lernerfolg.
Wenn die Eltern da nicht mitspielen, (aus dem vielgepriesenen Zeitmangel heraus) brauchen sie sich auch sonst nicht aufregen, wenn das Kind irgendwann den Anschluss verliert.
.
Ich stelle die Notwendigkeit, etwas gut erklären zu können, auch bei mir selbst fest. Es gibt Mathematikinhalte der höheren Mathematik, über die ich mich hinweg geschummelt habe. Wenn sie aber wie bei David Foster Wallace gut und teilweise witzig beschrieben sind, mache ich mir auch die Mühe, einen Beweis nachzuvollziehen, von dem der beweisführende Cantor selbst an Dedekind geschrieben hat: „Ich sehe meinen Beweis, aber ich kann ihn nicht glauben.“


  1. Das erinnert mich an mein Abi…..Mathe Leistungskurs. Wie immer war ich mit dem Lernen ein ‚klein wenig in Verzug—-hüstel‘ und so habe ich mir den Stoff zunächst mal angeeignet und ihn dann einigen Schulkolleginnen erklärt. Die Klausur fiel prima aus ;-)-
    Bedauerlicherweise setzen sich die wenigsten Lehrer im Laufe iher Schullaufbahn nochmals mit solchen Lehrmethoden auseinander. Es ist ja auch viel einfacher das ALT-hergebrachte fortzuführen, anstatt sich be-lehren zu lassen :-/.
    Heute bin ich froh, meinen Lehrberuf nicht ausüben zu müssen…..und lieber selbständig zu sein.

  2. dass du, lieber steppenhund, genau diese fähigkeiten besitzt, stoffe so zu durchdringen, dass du sie auf vielfache weise kurz erläutern kannst, das glaube ich sofort und habe es ja auch schon erlebt.
    das bringt mich jetzt zu einer frage, die mich sicherlich als vollkommmen dämlich outet, sie ist mir aber wichtig:
    bei einer sog. nicht-trivialen maschine, mit zwei internen systemzuständen, vier input und vier output-variablen, die sich ja je nach systemzustand verändern, kommt heinz von förster auf 16hoch2 reaktionsmöglichkeiten.
    seufz…. ich kapier es nicht und würde gerne die formel dazu wissen. ich finde keine im internet….
    ratlosen gruß

  3. kann mir um des himmels willen irgendjemand sagen wovon hier gesprochen wurde ???
    bitte als rhetorische frage verstehen …
    bitte, bitte, nicht antworten !!!




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