eine bemerkenswerte Frau

Am Montag hatte ich die Gelegenheit, einen Vortrag von Dr. Auma Obama (Schwester von Barrack Obama) anzuhören. Überraschenderweise war ich auch nachher zum Dinner mit eingeladen und konnte mich ein wenig mit ihr unterhalten. (Das Event war von CARE veranstaltet worden.)
Der Inhalt ihres Vortrags war über ihre Arbeit in Kenya, wo sie vor allem jungen Mädchen hilft, ihr Selbstbewusstsein zu entwickeln. Sie macht das über Sport, hat aber unter anderem es auch geschafft, mehrere Organisationen in ihren Zielen unter einen Hut zu bringen.
Sie hat auf deutsch gesprochen. (Sie hat in Deutschland promoviert.)
Ihr freier Vortrag war ausgezeichnet, nicht überzogen und trotzdem bekam man die Dringlichkeit ziemlich mit. Es ging auch weniger um den Spendenaufruf an sich, (der besteht natürlich implizit, wenn man über die Zustände unterrichtet wird) sondern die Überzeugung lag darin, dass man auch dann etwas ändern kann, wenn man es nur in kleinem Rahmen schafft, aber peu a peu die Bewusstseinslage verstärkt.
Ich habe sie später gefragt, ob sie Menschen kennt, die mit einer ähnlichen Einstellung in Deutschland operieren.
Der Anlass meiner Frage war folgender:
Es scheint mir so, dass in Deutschland das Problem herrscht, dass die junge Generation (in der Masse) kein Selbstwertgefühl mehr entwickeln kann. Das Fehlen von Arbeitsaussichten, Hartz-IV-Karriere bei den Eltern und die Aufklärung im Fernsehen, dass man nur dann etwas ist, wenn man entweder Top-Model ist oder einen Porsche fährt, kann einen schon entmutigen.
Ihre Antwort war sehr interessant.
Sie erzählte mir, dass sie eine ähnliche Arbeit in England durchgeführt hätte. Meine Begründung hinsichtlich Deutschland konnte sie sehr gut verstehen. Ich denke, sie teilt meine Ansicht. In England gibt es dasselbe Problem. Und dann sagte sie: in England bin ich gescheitert. Im weiteren Gespräch stimmten wir überein, dass der Grund für das Scheitern vermutlich daran liegt, dass es uns in Europa noch „zu gut“ geht.
Es könnte sein, dass sich hier ein Missstand zu einer echten Gefahr auswächst.
Das war ein ziemlich interessanter Abend, in dem ich auch andere Informationen über CARE erfuhr. Es war aber ein Erlebnis, diese Frau kennen zu lernen.


  1. ich hab das ein bisschen in den zeitungen verfolgt und mich beeindruckt diese frau auch sehr.
    und ich bin sowieso überzeugt davon, dass ein gesundes und stabiles selbstbewusstsein und selbstwertgefühl der boden ist, auf dem alles wachsen kann. aber um das entwickeln zu können, braucht es in erster linie liebe.

  2. Ich habe gestern Abend in der ZIB2 das Interview gesehen, welches Eugen Freund mit ihr gemacht hat. Sie hat diesen erfahrenen Journalisten-Profi auf eine sehr unkonventionelle Art ziemlich in Bedrängnis gebracht… da dachte ich mir auch, dass sie eine bemerkenswerte Frau ist, mit der ich ebenfalls gerne ein paar Worte gewechselt hätte.

  3. Das Gros der Elterngeneration der heutigen Jugendlichen hat den Niedergang des Wirtschaftswunders erlebt, ohne selber brauchbare Alternativmodelle gehabt zu haben oder zu finden (deren Eltern- und Großelterngeneration wiederum verdrängte den Krieg und alles, was dazugehörte, mit aller Macht und war nur auf Geldverdienen auf Teufel komm raus fixiert), was für meine Begriffe zu dieser Orientierungslosigkeit der Kinder geführt hat. Ich denke nach wie vor, dass jede Krise eine Chance in sich birgt – diese hier könnte möglicherweise zu wesentlich mehr nicht-profitärem Denken führen mit allen Begleiterscheinungen wie mehr sozialem Denken und Handeln, mehr Umweltbewusstsein, mehr Menschlichkeit im Alltag -und der Erkenntnis, dass man Geld nicht essen kann. Das ist jedenfalls die Chance, die ich hierin sehe.

    PS: Dr. Obama scheint zu jenen Menschen zu gehören, die die Welt tatsächlich zum Positiveren verändern können.

  4. Phorkyas

    Es scheint mir so, dass in Deutschland das Problem herrscht, dass die junge Generation (in der Masse) kein Selbstwertgefühl mehr entwickeln kann

    Als Vertreter dieser Generation kann ich mich nur anschließen. Die Angst und Unsicherheit scheint mir (nicht nur bei mir selbst) allgegenwärtig. – Noch größeres Unbehagen bereitet mir wie die kommenden Generationen wohl schon gebrieft werden sollen, wenn man die eigene Angst auf diese überträgt und dem erwarteten Selektionsdruck entsprechend die Kleinen auf Kindergärten schicken möchte, in denen sie schon Chinesisch lernen (wenn’s doch nur Satire gewesen wäre, aber entweder war es aus einem ZDF-Bericht über Begabtenförderung, der einen nur ausrufen lassen wollte: ‚Jetzt lasst doch mal eure Kinder in Ruhe (ein bisschen Kind sein, spielen und so)!‘ oder aus nem Zeitartikel)

    Nur wie holt man sich das wieder? Gelassenheit und Souveränität – wie Auma Obama es in dem verlinkten Interview ausstrahlt –
    (Bei mir zeigt sich mitunter eine Trotzhaltung, dass ich mir sage, dass sie es dann selbst schuld sind, wenn sie das Potential der Leute so niedermachen und unterdrücken, weil es sich in Angst nicht entfalten mag)




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