Eingebildet und arrogant

Ach was, ich lass es einfach so stehen…
Es gibt Zeiten, da versuche ich dieser manchmal auch berechtigten Bezichtigung entgegen zu wirken. Solche Phasen können sich auch auf mehrere Monate erstrecken.
Dann gibt es auch die Zeiten, wo es mir ziemlich egal ist, was andere Leute über mich denken. Ich muss mir quasi selbst gefallen. „Du kannst nicht der ganzen Welt und deinem Vater gefallen.“ Ist da ein sinniger Spruch. Ein paar Menschen stößt man immer vor den Kopf.

Und dann gibt es ganz andere Momente, wo ich über diese Fragestellung nicht nachdenke. Oder zumindest erst in der Reflexion. Wo ich mich einfach gut fühle, dass ich etwas kann und dass ich dann auch kein Publikum brauche. (Normalerweise agiere ich vor Publikum besser als allein, oder auch bei Tests etc. Man könnte durchaus behaupten, dass ich Auditorium benötige. Für manche Menschen gilt ja gerade das Umgekehrte.)

Jetzt stelle ich selbst relativ hohe Ansprüche an mich selbst. Vielleicht brauche ich deswegen die Bestätigung von anderen, weil ich mir selbst nicht genüge.
Ich bemerke, dass sich eine Veränderung ergeben hat. Ich kann mir selbst genügen. Zumindest manchmal. Ich merke auch, wie sehr die Qualität meines Klavierübens zugenommen hat. Wesentlich genauer und geduldiger arbeite ich jetzt an den schwierigen Passagen.
Es bewahrheitet sich eine Weisheit, die ich mir aus Aussagen meines Vaters destilliert habe: das Üben macht solange Spass, solange man das Gefühl hat, dass man sich noch selbst verbessern kann. Beim Klavier würde ich die zu erlangende Stufe damit beschreiben, dass man nicht „etwas spielen kann“ sondern dass man es so spielen kann, „wie man es gerne spielen möchte“.
In meiner Branche, dem Software-Test gibt es ein ähnliche Dualität. Verifikation und Validierung. Die Verifikation stellt fest, ob „richtig“ programmiert wurde, die Validierung stellt fest, ob „das Richtige“ programmiert wurde.
Als Beispiel stelle ich hier eine Aufnahme von Cortot, über dessen Größe es keine Diskussion gibt. Es wird allerdings behauptet, dass Cortot in der heutigen Zeit keine Chance hätte, weil er nicht durch den Filter der technischen Perfektion kommen würde, den man heute den jungen Pianisten auferlegt. Cortot war technisch ausgezeichnet, doch er war mehr auf die Musik als auf die technische Perfektion ausgerichtet.
Wenn man die untenstehende Aufnahme anhört, kann man vielleicht einen Eindruck bekommen, was Klavier „spielen“ wirklich bedeutet.


  1. Ganz habe ich den Gegensatz – wenn es tatsächlich einer ist – von technischem Können und Ausdruck noch nicht verstanden. Bei einem Stück, das dem Betreffenden nicht liegt, gut, das kann man technisch glatt spielen und musikalisch unzulänglich. Sonst aber müsste das technische Können die Fähigkeit des Ausdrucks unterstützen, oder? Liegt also ein allfälliger Unterschied vielleicht eher im ungleich verteilten Talent (salopp gesagt: der neuronalen Verknüpfungen und/oder bestimmten Umwelteinflüssen) der Betreffenden und nicht an besagtem Gegensatz?




Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


  • Neueste Beiträge

  • Tage mit Einträgen

    Januar 1970
    M D M D F S S
        Mai »
     1234
    567891011
    12131415161718
    19202122232425
    262728293031  
  • Was einmal war


%d Bloggern gefällt das: