Entspannung

Artur Rubinstein, einer der größten Chopin-Interpreten, soll gesagt haben: er übe nicht, es reiche, wenn er jeden Morgen die Sextenetüde von Chopin spielte.
http://www.youtube.com/watch?v=gLZ4WJiDldU
(ab Minute 18:20)
Die dauert nur eineinhalb Minuten, danach ist die Hand so wie sie sein soll, entspannt, ausgeglichen, gleichermaßen geeignet für Sprünge und Läufe. Man könnte sagen, die Etüde ist ein Tibeter für den Pianisten.
Die Aussage ist ein bisschen zugespitzt doch nachvollziehbar. Die Etüde ist nicht einmal so extrem schwer. Ein motivierter Klavierspieler sollte sie üben können. Man kann sie genauso gut ganz langsam spielen. Man wird die Entspannung der Hand trotzdem merken können. Wenn nicht, hat man sie falsch geübt.
In den Zeiten als ich Rubinsteins Hinweis als Möglichkeit sah, mir das Üben zu ersparen, spielte ich die Sextenetüde und die darauffolgende Oktavenetüde und hatte ein sehr gutes Gewissen, alles getan zu haben.
Heutzutage mit meinem „großen Beethovenplan“ spiele ich an Tagen, an denen ich in Wien bin, eine Stunde Beethoven zum Aufwärmen. Das ist zeitaufwändiger aber auch sehr entspannend. In der Regel bedeutet das zwei Sonaten und eine halbe Stunde Üben von schwierigen Stellen. Alles weitere im Laufe des Tages (an Wochenende spiele ich gerne an die drei Stunden) ist dann Kür.
Heute habe ich ausnahmsweise nicht #7 und #13 gespielt, an denen ich zur Zeit am meisten arbeite sondern opus 49 #1 und #2, die sogenannten „leichten“. Op. 49/2 ist wirklich auch für einen Zehnjärigen zuzumuten, selbst wenn er kein Wunderkind ist.
Danach kommt in der Reihenfolge der Sonaten die Waldsteinsonate.
http://www.youtube.com/watch?v=dL0JLNt_3EE
Damit habe ich mich heute schwer getan. D.h. ich muss sie wieder von grund auf üben. Es ist beachtlich, Claudio Arrau zuzusehen, wie er die Oktavenglissandi im letzten Satz spielt. Es hilft, es zu sehen, um daran zu glauben, dass es funktionieren kann. Die Waldsteinsonate ist übrigens eine der zwei Sonaten, von denen Joachim Kaiser geschrieben hat, dass sie nur dann gut gespielt sind, wenn der Pianist seine eigenen Grenzen überschreiten. Das kann nur in einem Live-Konzert geschehen und dabei auch manchmal in die Hose gehen. Wenn es aber funktioniert und man war dabei, hat man etwas fürs Leben erfahren.


  1. es ist erstaunlich, wie Daniil Trifonov mit dermaßen gestreckten fingern eine solche geläufigkeit erzielen kann. meine lehrerin hätte mich über den jordan gejagt … trotzdem habe ich nicht den minimalsten bruchteil dieser technik … wie ungerecht ist doch diese welt … ;-)))
    ansonsten kann man mich mit Frederic Chopins musik zu jeder tages- und nachtzeit erfreuen …
    Claudio Arrau und Ludwig van Beethoven … das traumpaar … exquisit … eine referenzeinspielung wie ich finde …
    Danke also für die beiden leckerbissen am Vormittag.




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