Es geht auch anders

Es muss nicht unbedingt die Waldorfschule sein. Es gibt Schulversuche in öffentlichen Schulen, die ganz erstaunliche Auswirkungen zu haben scheinen.
Heute sitze ich in der S-Bahn. Rund um mich 5 junge Schülerinnen, 3. Klasse Mittelschule, die sich gegenseitig die griechischen und römischen Götter und Göttinnen abfragen.
Die können sie ziemlich gut, sehr gut sogar. Ich frage, in welchem Gegenstand sie das lernen. „Nicht wirklich in einem Gegenstand. Ist so Allgemeinbildung.“ Neben mir sitzt, nicht viel größer als die Mädchen, eine Lehrerin. „Es gibt schon eine Lehrerin, bei der sie das lernen, aber es gehört nicht wirklich zu einem Lehrstoff.“ Ich entdecke, dass sie Mathematikarbeiten überprüft. Ich zeige mich beeindruckt und frage nach der Schule.
http://www.bgmoedling-keim.ac.at/profil/begabtenfoerderung/hochbegabtenklassen.pdf
Sichtlich voller Stolz erzählt mir die Lehrerin, dass ein Durchlauf in sieben Jahren bis zur Matura geplant ist. Manche Schüler hätten auch schon in der Volksschule ein Jahr übersprungen.
Die Kinder sind sichtlich mit Freude beim Thema. Was lernen sie in Mathematik in der 3. Klasse.
„Eigentlich den Stoff der vierten. Anfänge der Statistik und Pyramiden.“ Ich frage nach der technischen Unterstützung. Taschenrechner dürfen sie in der Unterstufe benützen. In der Oberstufe gibt es das Notebook und das Programm „Mathcad“. Ich frage, wie es denn mit den Schätzkenntnissen aussieht. Wird 10 x 100 eingetippt. „Nein, die meisten verwenden den Taschenrechner gar nicht. Dauert ihnen zu lange, das Tippen ist ihnen zu umständlich.“
Wir unterhalten uns noch ein bisschen über Sprachen und dann müssen wir aussteigen.
Jetzt werden einige gleich schreiben. Ja, das sind hochbegabte Kinder, da ist alles leichter. Ich behaupte, dass die meisten Kinder hochbegabt sind, wenn ihre Eltern sie nur ganz normal behandeln. Wie aus dem Link hervorgeht, sind die Eltern ja in diesen Schulversuch voll eingebunden.
Es ist schön zu sehen, dass es auch so geht. Ohne Überspringen von Klassen sollte das auch für Normalbegabte möglich sein.
Aber wie gesagt: die Eltern müssen wollen. Sonst läuft da gar nichts.


  1. Ja, die Eltern müssen wollen und unterstützen, aber ohne falschen Ehrgeiz, der die Kinder überfordert und ihnen letztlich auch Freude am Lernen nimmt. Es gibt ja gar nicht wenig Eltern, die ihre Kinder für hochbegabt halten, sie früher einschulen lassen zum Beispiel und sich dann wundern, wenn es Probleme gibt. Und viel hängt auch am Engagement der Lehrer. In der Geo (vom Februar) stand ein sehr schöner Bericht über wirklich gute Lehrer und was sie bewirken können. Würde ich zu gern verlinken, ist aber online nicht lesbar.

  2. mac38

    waldorfschule und die hier verlinkte sind sozusagen zwei paar schuhe. in der einen sind diejenigen, die fürs gymnasium „zu sensibel“ sind, in der anderen die, die mehr leisten wollen und können.

  3. …die Eltern müssen wollen. Sonst läuft da gar nichts.
    Immer meine Rede.

  4. „Ich behaupte, dass die meisten Kinder hochbegabt sind, wenn ihre Eltern sie nur ganz normal behandeln.“

    Das glaube ich nicht (und meine nicht nur, dass es statistisch unmöglich ist). ALLE sind für irgendetwas begabt, aber lange nicht alle für Belange der Schule. Und das meiste Schulzeug interessiert einfach ein normal begabtes Kind nicht.Wozu die Götter des alten rom lernen? Warum Kegelschnitte zeichen? … Es wäre sinnvoller, eine Autobatterie auszutauschen oder einen platten Fahrradschlauch zu reparieren. Und es wäre sinnvoller, gute Handwerker auszubilden, als tausende SchülerInnen bis zur Reifeprüfung zu quälen, damit sie anschließend keine Studienplätze bekommen.




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