gute Reality Show

Draußen ist es heiß, im Haus ausreichend kühl. Ich arbeite etwas am Computer, zwischendurch mache ich Pause und sehe, ob es einen alten Film im Fernsehen gibt.
Beim Zappen komme ich auf eine Reality-Show. Reality-Shows sind heutzutage so schlimm, dass ich Depressionen bekommen könnte. Wenn dann eine noch mit „die strengsten Eltern auf der Welt“ betitelt ist, habe ich keine Lust dabei zu verweilen.
Doch irgendetwas hat mich festgehalten. Der Stil der Show ist wie üblich durch einen Kommentator geprägt, dessen selbstüberzeugter Tonfall mich fortjagen könnte. Doch das Konzept ist interessant: schwer erziehbare Kinder kommen für zwei Wochen zu Pflegeeltern nach Kenia.
Wie es scheint, bewirken die Pflegeeltern (ein Mann mit Frau und Nebenfrau) ein wahres Wunder. So richtig streng erscheinen sie mir gar nicht. Dass die beiden Kuhdung aufsammeln müssen, ist zwar eine normale Tätigkeit, (Er wird als Baumaterial verwendet) erscheint aber für die Siebzehnjährigen als eine Zumutung. Dass man ihnen die Zigaretten weg nimmt, ist hart. Mit dem Essen klappt es auch nicht so ganz.
Was sehr eindrucksvoll und glaubwürdig dargestellt wird, ist das Verständnis von Selbstverständlichkeit, dass die Kinder von ihrem gewohnten Leben in Deutschland haben. Anfänglich ist ihnen nicht bewusst, in welchem Luxus (auch im Rahmen von Durchschnittsfamilien) sie in Deutschland aufwachsen. Sie können sich nicht vorstellen, warum die Massai glücklich sind. Aber sie erleben Zuwendung, Interesse und am Ende der vierzehn Tage kehren sie (doch) etwas geläutert zurück. Im TV scheint es sich auch um eine nachhaltige Entwicklung zu handeln.
Im Gegensatz zu fast allen anderen Reality-Shows sehe ich in dieser ein großes Stück Wahrheit verpackt: nicht-materielle Werte können durch eine Verlegung des eigenen Lebensbereichs sehr gut übermittelt werden. Wie gut es einem selbst eigentlich geht, kann man auch daran lernen, wenn man glückliche Menschen erlebt, die viel, viel weniger haben als man selbst und viel schwerer arbeiten müssen.
Ich nehme nicht an, dass es das Programm in Wirklichkeit gibt. Aber die Idee hat etwas für sich.


  1. Das hat sie. Durchaus. Und Reichtum ist relativ. Sowohl, der materiell-existentiell-e Reichtum, der unserer Gesellschaft zur wohlstandssatten Selbstverständlichkeit gereicht, als auch jener der bewußten Wahr-Nehmung und Achtsamkeit. Etwas, was uns leider nicht in das Packerl Handwerkszeug gepackt wird, welches wir von den Verziehungsberechtigten mit auf den Weg bekommen. Und zu den Verziehungsberechtigten zählen in meinem empFinden nicht nur die Eltern, sondern alle form-vorgeb-enden Module, wie u.a. Medien, Pädagogen etc.

    Unter den Schulkameraden meines zugeheirateten Ziehsohnes ist es Usus, Einkäufe fotografisch festzuhalten. Stolz zeigte mir Pubertröter ein Foto, welches T-Shirts, Jeans im wahrlich geschickten Arrangement präsentierte. Das I-Tüpfel indes ganz Vorne im Golden Mittelpunkt des Bildes sein I-Phone. Funkelnagelneu. Lang genug hat er nun daran gearbeitet.. und es -pädagogisch-haarsträubender Weise seiner Erzeugerin aus den drangsalierten Synapsen zu pressen. Stolz zeigte er mir dieses Bild, welches wie das jeweils vorangegangene eben diese übertrumpfte. Seine Beute. Mit seinem I-Phone fuchtelt er rum, als handele es sich um einen wertvollen Skalp.

    „Und?“ fragte ich, „bist Du nun ein besserer Mensch?“ Und wissen Sie, was das schlimmste war? Seine spontane Antwort: „Natürlich.“

    Wir sind ziemlich fern weg vom Leben, von der Realität. Die Tiere, die wir als Nahrung zu uns nehmen, kennen Einige garnicht mehr. Als würden die Schnitzel im Kühlregal geboren. Welcher Teil der Kartoffelpflanze ess-bar ist, welcher nicht, gehört nicht zum Wissensschatz, zum gehobenen. Ich persönlich halte es für jeden heilsam, sich der Ursprünge und des Kreis-Laufes zu erinnen, dessen Bestandteil wir sind. Aber für derartiges Denken ist keine Speicherkapazität auf der Festplatte. Wir konsumieren uns zu tode, versuchen uns mit äußeren Werten vollzustopfen und merken nicht, wie wir uns darüber ent-leeren.

    naja, so verallgemeinert ist sicherlich übertrieben, aber ein bisserl Wahrheit ist schon dran. Schade, dass die Medien nicht zum Nachdenken anregen und nur zum Abfüttern gedacht sind, sonst könnte das von Ihnen skizzierte Soap-Konzept tatsächlich eine wertvolle Anregung bieten.

    PS: Ich frag mich, was nach dem I-Phone ansteht. Es muss ja immer größer, toller, besser sein. Ein Alpmärchen namens: Des Kaisers neue Kleider, o.ä. –




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