I wie I

Ich hätte auch I wie „ich“ schreiben können, doch auf Englisch wird das ich ja mit I übersetzt. Damit wird die Angelegenheit noch klarer. Gibt es in einer Sprache ein Wort, dass durch einen einzigen Buchstaben ausgedrückt wird, so wird es wohl recht wichtig sein.
Ich könnte natürlich auch schreiben I wie Ego. Aber das passt ja dann nicht mit dem Buchstaben. Aber das Ego ist in unserer Gesellschaft heute wichtiger denn je zuvor. Oder es wird wichtiger genommen als es ist. Heute zählt die IAS-Gesellschaft. I(ch will) A(lles) S(ofort haben). Das wird uns durch die Medien suggeriert. Lebensstandard in Filmen, einhämmernde Werbung, – alles sollte heute möglich sein, vor allem jetzt und sofort.
Etwas versöhnlicher wirkt der Buchstabe I in slawischen Sprachen. Da bedeutet er nämlich „und“. Und drückt zumindest schon eine Mehrzahl aus. Ich und etwas anderes oder andere Menschen.
Wäre ich ein Kind, dann assoziierte ich das I am ehesten mit Indien oder Indianern. Es ist schon interessant, dass es einen Unterschied zwischen Indianern und Indern gibt. Da tut sich eine ganze Entdeckungswelt bzw. ein Entdeckungsirrtum auf. Die Indianer sind heute die mit Esoterikanspruch und „In sich gehen“-Anspruch. Die Inder, die einmal als Sexkapazitäten galten, haben ihren Kamasutra-Anspruch auf Gruppenvergewaltigungen reduziert. In Österreich kämpfen sie für billigere Telefontarife. (Mit Verlaub gesagt, diese Werbekampagne kotzt mich noch mehr an, als Geiz ist geil vor einigen Monaten.)
Das I hat in manchen Fällen wirklich negative Konnotationen. Der Iltis ist zwar putzig, doch sagt man „stink nicht wie ein Iltis“. Der Index wäre ein vollkommen neutrales Wort, wenn er nicht auch die Liste der Bücher angeben würde, welche von der Katholischen Kirche verboten waren.
Eine Insel ist ambivalent. Wir wünschen uns eine einsame Insel zum entspannen, aber wir lieben es nicht, eine einsame Insel in der Gesellschaft zu bleiben. Der Igel ist ein Tier zum Liebhaben, wir haben unsere Igel gefüttert, wenn wir welche im Garten entdeckten. Weil er so lieb ist, braucht er die Stacheln um sich zu wehren.
Dann gäbe es da ja noch die Vorsilbe „in“, die bei einigen Wörtern statt des „un“ verwendet wird. In- drückt praktisch immer etwas Negatives aus. Insuffizienz, Inkontinenz und dergleichen mehr.
Das „In“ in Institution ist eine Verfälschung des „un“, doch Institutionen haben auch einen schalen Beigeschmack.
Und dann gibt es noch das „Inter“. Das verbindet wieder, fast schon so gut wie das slawische „i“.
Interdisziplinär und international verbindet getrennte Einheiten.
Wenn jemand dieser Beitrag nicht gefällt, kann er noch immer „igitt“ kommentieren:)


  1. i wie irre würde ich eher sagen, gar nicht unbedingt auf deinen beitrag bezogen – sondern auf das i wie ich.
    leider ist es irreversibel, wenn man erst mal da ist. es gibt kein zurück in die gebärmutter, oder noch weiter zurück in die eizelle und das spermium … usw. zurück bis zum i-punkt, den wir urknall nennen.
    it`s not easy – würde ich sagen.




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