Im Jetzt

In einem Kommentar habe ich geschrieben:
„Deswegen freue ich mich auf die Pension. Nur mehr etwas mehr als 300 volle Arbeitstage:)
Und dann werde ich Klavierspielen, Rad fahren, Buch schreiben, jeden Tag in die Sauna gehen, jeden zweiten Tag zum Heurigen pilgern, ein bisschen herumreisen.
Es wird so schön sein, ein Spezialist gewesen zu sein:)))“

Jetzt heißt es ja, man soll im Jetzt leben. Ich hasse diesen Spruch aus den „Guter Rat für ein erfülltes Leben“-Büchern. Ich mag ihn nicht, weil er wesentliche Teile des Lebens ausklammert. Das Jetzt ist immer nur ein Sekundenbruchteil (ungefähr 30 Millisekunden lang).

Doch ich lehne nicht die Aussage an sich ab. Denn es ist sicher ein Blödsinn, sich auf etwas Zukünftiges zu freuen, wenn man gar nicht weiß, ob man das noch erleben wird.
Daher möchte ich mein obiges Zitat relativieren. Es geht mir nicht so sehr um das, was ich einmal machen werde. Es geht darum, was ich gern mache und dann mehr Zeit dafür haben werde.
1) Klavier spiele ich jetzt schon. Aus mehreren Gründen: 1.1 ich spiele gern. 1.2 ich über schon wieder für ein Konzert. Das bedeutet großere Konzentration beim Üben und großere Erfolgserlebnisse. 1.3 ich spiele aus therapeutischen Gründen: 1.3.1 Wen ich eine Stunde übe, geht mein Gewicht um ein halbes Kilo hinunter und der Blutdruck fällt. 1.3.2 Klavierspielen soll gut gegen Alzheimer und Demens sein.
2) Radfahren tue ich schon und mit großer Freude. Vielleicht werde ich dann längere Ausflüge unternehmen können, aber im Prinzip genieße ich es schon heute.
3) Für ein Buch habe ich jetzt noch zu wenig Zeit. Ich arbeite zwar etwas weniger als früher aber immer noch so viel, dass ich mir die „Arbeit eines Buches“ nicht zusätzlich auflasten will. Obwohl ich es genießen werde, vor allem dann, wenn ich kein Geld damit verdienen muss.
4) Ich gehe jetzt wenigstens jedes Wochenende in die Sauna und manchmal auch zweimal in der Woche.
5) Zu 4 gehört auch der folgende Heurigenbesuch, den genieße ich auch schon heute.
Fehlen noch die Reisen. Bei den vielen beruflichen Reisen sind Reisen zur Zeit nicht so attraktiv. Aber es gibt ein paar Ziele, die ich noch gerne anfahren würde.
6a) mit dem Postschiff Norwegen entlang
6b) Lissabon
6c) Barcelona
6d) vielleicht doch noch nach Australien und Neuseeland
6e) vielleicht noch einmal nach Japan, nach Nagatacho-Cho. Das ist in der Nähe von Nagano.
6f) einige Zugreisen, wenn ich sie mir wirklich dann noch leisten will. Aber wenn ich ein bisschen spare, könnten sie sich ausgehen.
6f1) von Moskau mit der Bahn in Richtung Norden zum nördlichsten Bahnhof auf der Welt, bereits nördlicher als der Polarkreis. Kostet aber ca. 6000 € / Person.
6f2) Von Vancouver nordöstlich mit dem Zug. Kostet nur 4000 $.

Einzig die Reise ins Weltall schminke ich mir ab. Das würde ich gesundheitlich wohl nicht mehr schaffen.
Doch wozu gibt es youtube und Simulation.

Also fad wird mir sicher nicht werden:) (wenn ich es erlebe …)


  1. HARFIM

    „Gute Vorsätze sind Knüppel, die man sich selbst zwischen die Beine wirft“, sagte einst zu uns ein Lehrer, den wir alle sehr gern hatten, wenn wir ihm darlegten (grins, immer wieder), wie wir in Zukunft sein werden, um gute und brave und lobenswerte Schüler zu werden 🙂 er nahm das wohl zum Glück nicht ernst.
    Und schmunzelte.
    Nicht destotrotz wünche ich Ihnen natürlich, dass Ihre Liste abgearbeitet werden kann… und einmal Petrus am Himmelstor steht und Häkchen macht. Dann lässt er sie nämlich rein *gg*

  2. „Die ‚Bandbreite in der Zeit‘ ist die Breite der Gegenwart, deines Jetzt. Es ist das altbekannte ∆t, als abhängige Variable betrachtet. Je mehr du in der Vergangenheit und in der Zukunft zu Hause bist, desto größer ist deine Bandbreite, desto kompakter bist du. Und je schmäler dein Begriff vom Jetzt, desto stärker ist deine Verdünnung. Das kann so weit gehen, daß es dir schon schwerfällt, dich zu erinnern, was du vor fünf Minuten getan hast, oder sogar – wie Slothrop jetzt – nicht weißt, was du im Augenblick hier tust, am Fuße dieser kolossalen runden Böschung…“
    (Thomas Pynchon: Die Enden der Parabel, deutsch von Elfriede Jelinek und Thomas Piltz, Rowohlt 1981, Seite 794)

    (darüber bin gerade heute gestolpert und füge es daher einfach hier als fußnote ein)




Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


  • Neueste Beiträge

  • Tage mit Einträgen

    Januar 1970
    M D M D F S S
        Mai »
     1234
    567891011
    12131415161718
    19202122232425
    262728293031  
  • Was einmal war


%d Bloggern gefällt das: