Ist es eigentlich klar?

… wie für dumm man uns hält?
… wie hirnverbrannt Atomkraftbetreiber argumentieren?
Die folgenden Zitate stammen alle aus einem Standard-Artikel von heute, der sich vermutlich ja nur auf entsprechende Pressemeldungen offizieller Art stützt, die in erster Linie das repräsentieren, was der AKW-Betreiber von sich gibt.
Teilweise Kernschmelze in Block 2 in Fukushima…
Diese Frau ist teilweise schwanger.
AKW-Betreiber: Krise kann Jahre dauern…
bis alle Teile der teilweisen Kernschmelze verbraucht sind, oder was?
Tepco, hatte zuvor seine Angaben korrigiert und spricht jetzt noch von einer 100.000-fach höheren Konzentration als normal. Zuvor war gemeldet worden, die Strahlung sei 10 Millionen Mal höher als sonst.
Ein Faktor von 100 ist nur ein kleiner Rechenfehler. Das mit der Mathematik ist sowieso nicht so wichtig. Aber was soll es denn eigentlich bedeuten? 0 * 100.000 wäre noch immer 0, ist also gar nicht so schlimm. Was ist eine relative Angabe ohne Aussage über den Grundwert?
Laut Tepco könnte es sein, dass
Verstrahltes Wasser auch bei Reaktoren 5 und 6 …
Überraschung!!! So alle 7 Tage hören wir etwas von 5 und 6. Die sind zwar im Grunde genommen genauso gefährdet wie Reaktor 4, sind aber halt nicht „im Fokus“.
Tepco hat nun auch im Wasser in 30 Metern Entfernung der Reaktoren 5 und 6 erhöhte Radioaktivität gemessen. Die Werte radioaktiven Jods sollen 1.150 Mal über dem Normalwert liegen, teilte die japanische Atomaufsichtsbehörde am Montag mit.
Naja, sie hätten’s ja auch z.B. erst in 15 Jahren messen können. Die Krise dauert ja noch Jahre, siehe oben.
An den beiden Reaktoren wurden zur Zeit des großen Bebens am 11. März Wartungsarbeiten vorgenommen. Zuvor waren die Messungen nur südlich des Kraftwerks, vor den Reaktoren 1 bis 4 vorgenommen worden.
Vielleicht hätte man früher noch etwas eindämmen können, weil es anscheinend nicht so gefährlich erschien. Jetzt wird die Arbeit dort auch nicht mehr ganz leicht sein. Aber der Mensch kann ja nur eine Sache auf einmal ansehen.
…räumte der Tepco die unsicheren Aussichten für seine Versuche ein, eine Kernschmelze zu verhindern.
Wir haben doch schon gerade gelesen, dass eine teilweise Kernschmelze bereits im Gange ist. Wie verhindert man etwas, was schon da ist?
Die Antwort wäre wertvoll: wie verhindert man einen Grasser oder einen Strasser?
Leider gebe es keinen konkreten Zeitplan, um klar zu sagen, in wie vielen Monaten oder Jahren die Krise vorbei sei, sagte der Tepco-Vizepräsident Sakae Muto.
Ist ja irgendwie schon nett, wenn die Leute von Plänen sprechen. Bis jetzt gab es überhaupt keinen Plan sondern nur unmittelbares adhoc-Reagieren auf das, was gerade in den nächsten 5 Sekunden drohte.
Die Excel-Sheets mit den zu erwartenden Gewinnen und den Einsparungsgewinnen, wenn bestimmte Kontrollen nicht gemacht werden, – die wurden allerdings exakt geplant.
Und jetzt bitte AKW-Betreiber der westlichen Welt vor den Vorhang! Was hätten ihr geplant? Ein kleiner Solidaritätsakt wäre doch nett, wenn ihr euch alle selbst aufhängt.
UND 39% FÜR EINEN MAPPUS SIND NOCH IMMER ZUVIEL. DER TYP UND DIE 39% GEHÖREN AUF EINE VERGNÜGUNGSFAHRT NACH FUKUSHIMA GESCHICKT. ICH GLAUBE NICHT, DASS ES 39% SUPERREICHE IN BW GIBT. DASS DIE EINEN MAPPUS WÄHLEN, KANN ICH NOCH VERSTEHEN. ABER ALLE ANDEREN SIND GENAUSO BLÖD, FÜR WIE MAN SIE TATSÄCHLICH HÄLT!
UND EIN PAAR ÖSTERREICHER FALLEN MIR IN DEM ZUSAMMENHANG AUCH EIN…


  1. ist unglaublich was uns vorgemacht wird
    bzw geglaubt, dass wir alles einfach schlucken

  2. Ja, das von der Teilweisen Kernschmelze hab ich heut früh in den Nachrichten gehört und war ebenfalls fassungslos. O-Ton: »Nach den neuesten Informationen ist die Lage möglicherweise doch ernster als befürchtet
    Möglicherweise. Doch ernster.
    Erinnert mich an den Auftritt des Herrn Experten für Reaktorsicherheit von der TU Wien, der in der ZiB (leider nimmer online) vor dem Hintergrundbild der explodierenden Reaktorhülle die Ferndiagnose stellte: »Die Kollegen in Japan haben die Situation unter Kontrolle, nichts beunruhigendes
    Eine der dümmsten Wortmeldungen zum Thema stammt von dem Kultur(sic!)journalisten Wolfgang Herles, im ZDF-Blog*:
    »Keine Naturkraft ist an sich moralisch verwerflich. Auch nicht die Kernspaltung
    An sich. Naturkraft. Eine Aussage von geradezu erschütternder Sinnfreiheit. (nach dem Motto: es hat zwar keiner eine Ahnung, wovon er redet, aber dafür jeder umso lauter.)

  3. Danke für dieses Posting.

    Ich kenn mich ja selber nicht aus bei solchen Dingen. Ich bin auf das, was ich in den Zeitungen lese und im Fernsehen höre, angewiesen. Drum bin ich froh, wenn das hier hinterfragt und zurechtgerückt wird.

  4. Die Informationspolitik von Tepco ist direkter Ausweis dafür, wie man dort arbeitet. Ich glaube allerdings nicht, dass das in Deutschland oder Frankreich wesentlich anders wäre.

    Die 39% für die BW-CDU sind wirklich hoch. Man darf aber nicht vergessen, dass es sich um ein sogenanntes „Stammland“ der CDU handelt. Interessant die Wählerwanderungen. Übrigens ist in Deutschland für die Energie- und Kernkraftpolitik der Bund zuständig; die Länder sind hier an Weisungen gebunden. Theoretisch müsste ein grüner Ministerpräsident auch wieder die AKWs anschalten, wenn das „Moratorium“ ausläuft.

  5. fassungslos macht mich – mehr als die kernschmelze (die war seit zwei wochen zu erwarten) – für wie saublöd man die menschen hält. das lässt mich wirklich nach luft schnappen.

  6. Bevor Ihr Euch in Eurer Aufregung gegenseitig hochschaukelt:

    Natürlich gibt es keine konkreten Zeitpläne. Oder habt Ihr schon mal einen Desasterfall erlebt, in dem man mittendrin sagen konnte: ‚hey, sowas haben wir zwar noch nie in der Form erlebt, zur tagesschau sind wir aber bestimmt mit dem Thema durch.‘.

    Und würdet Ihr Euch denn besser fühlen, gäbe es solche statements ? Wenn uns alle 25 Jahre so ein Ding um die Ohren fliegt, dann ist zwangsläufig _NIEMAND_ darauf vorbereitet. Und jede Aussage und Prognose ist fehlerhaft, ob absichtlich oder mangels besseren Wissens ist zweitrangig.

    Löst Euch – nur für eine Minute – mal gedanklich von der Illusion, dass mehr Information Euch hier auch nur einen Schritt weiter bringen würde – sowohl die Vollkaskomentalität als auch die Illusion der informierten Entscheidung sind nichts als Selbstbetrug, wenn man eine vorgefasste Meinung hat.

    Anders ausgedrückt: Keine Äusserung, keine Prognose wäre in der Lage, Eure Bedürfnisse zu befriedigen.

    Auf die Verbindung eines atomaren Desasters mit einer Landtagswahl will ich nicht weiter eingehen, ein unüberschaubares Thema auf einmal ist mehr als ausreichend, man muss sie nicht auch noch miteinander verrühren. Dass es ein beliebtes Mittel ist, macht es nicht besser.

  7. hans1962

    Ein „bisschen“ Kernschmelze ist selbstverständlich möglich und der gewählte Vergleich mit einer Schwangerschaft ganz und gar nicht zutreffend. Zur Bildung von Kernschmelze siehe dort: http://de.wikipedia.org/wiki/Corium_(Reaktortechnik). Auch wenn eine teilweise Kernschmelze bereits im Gang ist, wird versucht, die vollständige Kernschmelze zu verhindern. Ein teilweise geschmolzener Reaktorkern kann dann z.B. so aussehen (Three-Mile-Island):

    1. 2B-Anschluss
    2. 1A-Anschluss
    3. Hohlraum
    4. lose Bruchstücke des Kerns
    5. Kruste
    6. geschmolzenes Material
    7. Bruchstücke in unterer Kammer
    8. mögliche Uran-abgereicherte Region
    9. zerstörte Durchführung
    10. durchlöcherter Schild
    11. Schicht aus geschmolzenem Material auf Oberflächen der Bypass-Kanäle
    12. Beschädigungen am oberen Gitter

    Quelle: Wikimedia

  8. So „Das Munitionslager ist vorübergehend explodiert.“ Ja geht’s noch?

    *teilt die Empörung*

  9. Es beschleicht einen das Gefühl, die Betreiber benutzen einen GAU-Nachrichten-Generator

  10. Ich habe die Bezeichnung „teilweise Kernschmelze“ auch darauf bezogen, dass die Brennstäbe eben teilweise, aber noch nicht völlig geschmolzen (oder verformt) sind.

    Mein Eindruck ist, dass sehr viel Unsicherheit herrscht wie man mit so einem Unfall umgehen soll. So eine Situation praktisch (Gott sei Dank!!) noch nie vorgekommen ist (bei Tscherobyl gab es keine langsame Schmelze, da ist das Ding innerhalb von Sekunden in die Luft geflogen)… der Vorfall ( http://de.wikipedia.org/wiki/Three_Mile_Island) auf Three Miles Island 1979 ist vielleicht noch ein klein wenig mit der heutigen Situation vergleichbar. Allerdings gab es damals dort vorher weder ein Erdbeben noch einen Tsunami, die hier ohne Vorwarnung von einer Sekunde auf die andere die technische Infrastruktur weitestgehend lahm gelegt haben.

    Die mangelhaft wirkende Informationspolitik ruht wohl zu einem großen Teil daher, weil die Japaner völlig überfordert sind… aber in so einer Situation wäre dies wohl jede Nation.

  11. „Teilweise Kernschmelze“ ist eben typisch japanische Kommunikationsart, die in deren Mentalität wurzelt. So wie es „ein bischen schwanger“ nicht gibt, gibt es [für mich als Kernkraftlaie-in] auch kein bischen „teilweise“ Kernschmelze. Wie man es auch wendet, egal ob japanisch oder deutsch, die großen Leidtragenden bleiben die Menschen!

  12. Hier steht, dass es scheinbar sehr wohl eine „teilweise Kernschmelze“ geben kann. Interessant ist hier, wie oft den Konjunktiv verwendet wird und wie wenig man eigentlich grundsätzlich über einen solchen Unfall weiß.

  13. Leute, wir müssen aus dieser Katastrophe eine generellere Lehre ziehen: Es gibt Techniken, die wir nicht beherrschen.

    Bei der Atomkraft wird uns das eindeutig gezeigt, bei der Gentechnik gilt das gleiche – diese könnten wir (in der EU) noch verhindern. Wir müssen uns auf die vermeidbaren Probleme konzentrieren – Fukushima habe ich längst abgeschrieben.

  14. äh, und ich dachte, du bist ein kkw-befürworter.
    so wie mappus.
    und jetzt mal die fahne nach dem wind hängen.
    das wirkt nur auf doofe und auf kkw-fundamentalisten glaubhaft.
    also, ich glaube dir nicht, steppenhund.

  15. Puhhh… ….höre eben in den ‚Nachrichten, dass es sich nicht allein um eine partielle Kernschmelze handele sondern auch um eine vorübergehende…..Na, dann!

  16. Es wurde Plutonium freigesetzt – damit ist für mich Stufe 7 der IAEA-Skala erreicht. Den Betreibern kann man aber jetzt keine Vorwürfe mehr machen, jeder Konzern wäre in dieser Situation überfordert. Und dass sie vorher so viel Geld wie möglich verdienen wollten, das ist halt Kapitalismus, gelle? Einen Unfall in dieser Größenordnung kann man nicht managen. Für uns in Deutschland ist das das beste Beispiel dafür, dass auch ein Industrieland die Kernenergie nicht nutzen sollte.

  17. Dass die Berichterstattung gelinde gesagt etwas dürftig ist, erstaunt nicht.
    Selbst bei geringeren Anlässen blinzeln immer die Interessen der Informationsgeber durch, also haben wir jetzt eine Debatte darüber ob das ein Gau oder ein Supergau ist.
    Am Ende wird rauskommen, dass es viel schlimmer hätte kommen können, also ist eh alles noch gut gegangen (Jetzt Tante Jolesch zu zitieren wäre zynisch).

    Ein Großteil der Menschen will einfach die relativ beschwichtigenden Meldungen hören, weil das darf einfach nicht wahr sein.

    Sechs Reaktoren sind nicht mehr kontrollierbar, Plutonium ist ausgetreten (woher will niemand wissen), der eingesetzten Kernschmelze haben wir kaum etwas entgegenzusetzen, Notfallpläne gibt es nicht, das Meer ist mindestens dreißig Kilometer weit verseucht.
    Letzteres klingt so harmlos, weil sich Partikel ja verteilen. Ähm, da gibt es sicher kein Plankton das irgendwie in die Nahrungskette gelangt und sich von Stufe zu Stufe potenziert.

    Ich würde den Mann oder die Frau bewundern, der/die sich hinstellt und endlich einmal sagt, „Wir haben Scheisse gebaut, zu hoch gepokert und verloren“.

    Ps.: Interessant auch das Spiel mit den Potenzen. 10 millionenfach ist furchtbar. Ah, eh nur hunderttausendfach, gottseidank. Das ist blanker Zynismus.

  18. Früher hätten diese Leute wenigstens Harakiri gemacht. Es ist schier unglaublich, was Sie hier zusammengetragen haben und was man sonst so liest. Die verstrahlten Arbeiter z.B. Zuerst gibt ihnen Tepco die Schuld, dann räumen sie ein, dass die Arbeiter über die hohe Radioaktivität des Wassers nicht informiert waren. Soviel Inkompetenz und Schlendrian, die Unfähigkeit korrekt zu messen, das alles deutet darauf hin, dass man es mit der Sicherheit schon lange nicht mehr ernst genommen. Und das ist auch mein Haupteinwand gegen Atomkraftwerke. Bei längerem Betrieb sinken die Aufmerksamkeit und das Gefühl für die mit dem Betrieb verbundene Gefahr. Und dann machen Menschen Fehler, die nicht mehr reparabel sind. Ich habe als Raucher schon ein schlechtes Gewissen, wenn ich eine Kippe wegwerfe, und diese Atomkraftwerksbetreiber versauen mal so eben eine ganze Insel, die umgebende See und wenn es so weiter geht, denn ganzen Erdball.

    Unfassbar.




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