Messie

Dass ich einer bin, ist unbestritten. Aber in einigen Dingen halte ich Ordnung. Meine Ordnung halt.
Daher kommt es, dass ich bestimmte Noten trotz Suchens nicht gefunden habe. (Weil ich nicht dort suche, wo sie nach meiner Ordnung nicht sein dürften.)
Ich habe die Beethoven Sonaten mindestens dreimal. Trotzdem konnte ich keine Noten der mittleren finden. Ich habe alles durchsucht. Nichts zu finden.
Gestern fällt mein Blick auf einen Stoss Noten, wo ich nie gesucht habe. Dort befindet sich nämlich nur Kammermusik. Aber der Umschlag eines Bandes fiel mir auf.
Da ist ja der eine Sammelband: die ersten 15 Sonaten. Und dann war der zweite auch leicht zu finden. Ebenso dort etwas weiter unterhalb.

Also ich habe die dort bestimmt nicht hingetan. Oder halt einmal als schnell für ein Kinderfest aufgeräumt werden musste.
Nun gut. Jetzt habe ich sie ja wieder.
Daraufhin habe ich heute losgelegt: neben dem Üben der drei Sonaten op 10, bekannterweise momentan meine Favoriten für den nächsten Vortrag, habe ich mir heute die Mondscheinsonate gegeben, dann #15 in D-Dur und noch die Es-Dur und B-Dur, die zwischen Pathetique und Mondscheinsonate liegen. Stimmt nicht: die B-Dur ist die der Mondscheinsonate nachfolgende.

Bemerkenswert: wenn man nicht mehr so oft vögeln kann, ist man froh, dass man beim Spielen keine Beschränkung kennt. Aber es gibt dann doch einen markanten Erschöpfungszeitpunkt. Irgendwann lässt die Konzentration auf eine Weise nach, dass man z.B. die letzte Seite von 30 Seiten nicht mehr spielen kann. Plötzlich reißt der Faden ab. Der Faden ist die Verbindung zwischen Hirn und Fingern. Es ist unglaublich, wie ich dann plötzlich das Gefühl kenne, überhaupt nicht Klavier spielen zu können. Bums aus.

Nach einer halben Stunde geht es dann wieder.
Momentan tritt dieser Erschöpfungszeitpunkt nach ungefähr eineinhalb Stunden ein, bei Stücken von etwas gehobeneren Schwierigkeitsgrad.

Da gibt es nichts zu rütteln: Klavierspielen ist anstrengend.


  1. Zum Glück kann man dabei wenigstens sitzen. 😉

  2. Altern ist, und wahrnehmbar. Reife ist die Blüte davon, aber die hat in Nebenbereichen ihren Preis.
    Was irgendwo nicht mehr so geht wie ehedem wird günstigstenfalls wettgemacht durch Brillanz in anderen Bereichen.
    Ich mein, vom Klavierspielen versteh ich ja nicht viel, stell mir aber vor, auch wenn die Ausdauer nicht mehr so gegeben ist, an Inhalt kann es nur mit Erfahrung gewinnen.

    Dass man nicht mehr so oft vögeln kann ist verkraftbar, gewinnt doch auch dieses mitunter an Qualität.

  3. „wenn man nicht mehr so oft vögeln kann, ist man froh, dass man beim Spielen keine Beschränkung kennt“ lach…der vergleich gefällt mir. denn ich vermute, handgemachte musik ist mindestens genauso befriedigend. vielleicht sogar umfassender 😉

  4. vögeln? so nennen Sie es also? ich finde, das ist ein wunderschönes Hobby und kann in jedem Alter betrieben werden.
    Die Engländer bezeichnen es übrigens als „birdwatching“ – dort ist es sehr weit verbreitet.
    Klar dass die so gute Abhörspezialisten geworden sind. Aber ich schweife ab. Ich muß auch zurück an den Flügel – noch ein bißchen an der H-Moll-Sonate von Franz Liszts feilen, die Septsprünge kommen noch etwas zu wackelig.




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