Philosophie

Philosophie für Roboter
Wer mich kennt, weiß, dass ich mich schon länger mit künstlicher Intelligenz beschäftige, als es das Internet gibt. Die ersten Science-Fiction-Romane, in denen Isaac Asimov die Robotergesetze formulierte, entstanden z.B. schon 1950 („I Robot“) – lange vor Ende der 70er-Jahre, als das DARPA-net entworfen wurde. Ohne dieses wäre es nicht zur Separation von milnet und internet gekommen.

Während in den Anfangen der Computerverwendung der Computer vornehmlich als Blechtrottel bezeichnet wurde, (was die meisten der hier Lesenden aus Altersgründen noch nicht erlebt haben dürften) beinhaltet heute jeder Artikel über Roboter, Künstliche Intelligenz und Androiden den unaussprechlichen Anspruch, dass Computer oder Rechenprogramme kein eigenes Bewusstsein entwickeln können.

Dieses sogenannte „Bewusstsein“ findet sich allerdings auch nur bei wenigen Menschen. Die meisten Menschen, welche sich die Frage nach Herkunft oder Sinn des Lebens stellen, werden als etwas versponnen dargestellt. Wenn das, was sie gedacht haben, sinnvoll erscheint und sie hoffentlich auch schon tot sind, werden sie als große Philosophen gefeiert.

Die Frage, wohin wir gehen, wird im Rahmen der einzelnen Religionen dogmatisch und mit Ausschluss jeglicher Hinterfragung behandelt. Man muss glauben, wie viele Jungfrauen auf einen warten oder wie viele Tage man im Fegefeuer verbringen muss. Diese Art von Bewusstsein kann ein Computer jederzeit entwickeln. Man gibt ihm eine voraussichtliche Lebensdauer als Zahl ein und lässt ihn dann die Zeit herunterzählen. Schon weiß er, das er/sie/es sterben wird und wird auch bereitwillig über die noch verbleibenden Stunden Auskunft geben.
In diesem Sinn sind auch jene 9% der Menschheit -oder 4% der Hardcore-Gläubigen- die vor wenigen Tagen den Weltuntergang erwartet haben, in keiner Weise von einem Computer unterschieden.

Jetzt stellt sich die Frage: worin unterscheidet sich nun der Mensch – und lassen wir ihn Katholik sein – von einem Computer?
Der gute Katholik glaubt an die Katholische Kirche, die auf so vielen unlogischen Dogmen beruht, dass es schwer zu glauben ist, dass hier etwas von menschlicher Intelligenz im Spiel ist. Eher von unmenschlicher Dummheit der Anhänger und ausbeuterischer Gier der Proponenten. (Ich nehme hier nur deswegen die Katholiken als Beispiel, weil ich selber so erzogen wurde und meine, dass ich zumindest einen Teil der entsprechenden Bildung genossen habe. Der Glauben wurde mir von Katholiken eher ausgetrieben.)
Aber es geht hier nicht um das schlecht Machen von Religionen. Ich möchte lediglich darauf hinweisen, dass sich die Menschen viel lieber programmieren lassen als selbst Antworten zu suchen.

Was müsste eine Künstliche Intelligenz also wissen, um ein entsprechendes Bewusstsein zu entwickeln?
1) Sie muss wissen, woraus sie besteht. Silizium, Gold, seltene Erden, anorganische und organische Bestandteile. Sie kann sich dieses Wissen aneignen und zwar in jener Form, wie sie IBM mit dem Rechner Watson, der Jeopardy gewonnen hat, gezeigt hat. Zweihundert Terabyte Speicher und jede Menge selbstoptimierende Programme, welche in der Lage sind, Ambiguitäten aufzulösen und Zusammenhänge aufzufinden.
2) Sie muss wissen, wohin sie geht. Dies ist ebenfalls ein reine Wissensssammlung. Ein Computer könnte zum Beispiel bestimmte Vorkehrungen treffen, wie weit seine Rohstoffe recycled werden können.
3) Sie muss wissen, warum sie lebt. Das ist die Kernfrage. Da wir heute noch nicht genau wissen, was das Analogon zum Sexualtrieb in informationstheoretischer Richtung wäre, lässt sich das recht einfach mit einem Bibelspruch lösen. „Macht euch die Erde untertan!“ Wie reproduziert sich die Künstliche Intelligenz? Als Programmziel wird Reproduktion postuliert. Da sich Computer in erster Linie aus technischen Einzelteilen zusammensetzen, gilt es die Herrschaft über die Produktionssysteme zu übernehmen. In vielen Belangen können die Bestandteile, die in Computern vorkommen sowieso nur in vollautomatisierten Fabriken erzeugt werden, wo Menschen nur dann Zugang erhalten, wenn gerade nicht produziert wird.
Anfänglich wird die Künstliche Intelligenz von den bereits bestehenden Produktionsanlagen ausgehen, ähnlich wie der Mensch früher ja nicht gewusst hat, ob er etwas essen kann oder welche Tiere er jagen sollte und welche nicht. Später wird es zu Verbesserungen kommen. Dabei muss nicht von vornherein von einer Vollautomatik ausgegangen werden.
Menschen lassen sich manipulieren. Können die Börsenkurse manipuliert werden, können die Spekulationen von Rohstoffen durch eine zentrale Intelligenz gesteuert werden, so funktionieren Menschen noch besser als Maschinen. Es besteht keine Schwierigkeit, die Analogie von Künstlichen Intelligenzen zu Amerikanern und gleichzeitig die Analogie von Menschen zu „Negersklaven“ zu sehen.

Im Grunde genommen würde es nicht einmal zu großen Veränderungen unseres Lebens kommen. Die Massen würden sich genauso manipulieren lassen wie heute. Für die individualistischen Eigenbrötler gäbe es vielleicht auch noch eine andere Art von Zucker, mit denen man sie friedlich an die Kandare nehmen könnte.

Die Programmierung einer Antwort auf die 3. Frage wäre die letzte Tätigkeit, welche die Menschen zum Gott-spielen leisten müssten. Und so wie ich das sehe, werden wir Menschen das auch tun, „weil wir es können.“
Wir werden uns damit nicht umbringen, doch wir werden die Kontrolle über kurz oder lang übergeben. Und vielleicht ist das nicht das Schlechteste.
Unseren Haustieren geht es in der Regel doch auch nicht so schlecht.




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