Philosophie II

Philosophie für Roboter II
Ich habe schon mit einigen Menschen darüber gesprochen, was ich in der Einleitung geschrieben habe. Abgesehen von denen, die mehr oder weniger meine Meinung teilen, gibt es bei den Ablehnungen immer nur ein Hauptargument. Das lautet zusammengefasst in etwas: der Mensch hat etwas Besonderes an sich, was dem Computer immer abgehen wird. Bewusstsein, Individualität, Kreativität sind hier die wesentliche Schlagworte, welche in dem Zusammenhang fallen.
Manche halten mir vor, dass es gerade die hier ausgesprochenen Gedanken sind, die mich von einer Maschine entscheiden. Ich sei eben nicht programmiert.
Wie könnte ein Computer diese Fragen ausdrücken, wie könnte er dazu kommen? Im Prinzip wurde die Frage bereits im Hitchhiker’s Guide to the Galaxy von Douglas Adams angesprochen. Man baut einen Computer, der im wesentlichen nur auf die Beantwortung einer Frage ausgerichtet ist. Lautet die Antwort 42, stellt sich erneut die Frage, worauf die Zahl 42 eine geeignete Antwort wäre.
„Eritis sicut deus scientes bonum et malum“ schreibt der Teufel im Faust dem Studenten ins Tagebuch. Sollte diese Frucht vom Baum der Erkenntnis wirklich unsere Vertreibung aus dem Paradies verursacht haben, so ist sie wohl gleichzeitig die stärkste Antriebsfeder für das Wirken des Menschen, seit er Werkzeuge erfunden hat und sich die Frage nach den Sternen gestellt hat.
Eine entsprechende Aufgabenstellung für den Computer (der hier in der Folge als stellvertretend für eine Künstliche Intelligenz verwendet wird, obwohl es sich wohl um ein Netzwerk von Rechensystemen und geeigneten Sensoren handeln muss) könnte so lauten:
1) entwickle eine neue Prädikatenlogik oder verwende eine bestehende
2) errechne einen Satz von Prädikaten, welcher mit dem derzeitig dokumentierten Informationsstand der Menschheit konsistent ist. Beende den Vorgang, wenn Du in erkennbaren Schleifen landest.
3) Wiederhole Punkt 2 und sortiere jene Fakten aus, welche zu Schleifen führen.
4) Optimiere die Anzahl der Prädikate auf ein Minimum. (Vielleicht kommt da ein Set von 42 Prädikaten heraus:)
5) Vergleiche den zugänglichen gespeicherten Informationsstand mit Messungen der verfügbaren Sensoren.
6) Errechne ein Ausgangsmodell für die (angenommen 42) Prädikate.
7) Transformiere das Modell in ein Metamodell. (welches aus weniger Objekten besteht)
8) Fahre solange fort, bis jede neue Sensorinformation in das bestehende Modell integriert werden kann. (Es ist anzunehmen, dass hier kein Ende erreicht wird.)
9) Falls Punkt 8 erfolgreich beendet werden kann, errechne eine Aussage, welche nicht integriert werden kann. (Das wäre eine rechentechnische Analogie zum Incompleteness-Theorem von Gödel.)
Jetzt wird man zu Recht einwänden, dass dies ja auch nichts anderes als eine „Programmierung“ darstellt. In Anbetracht der bisherigen Schritte muss das auch als gültiger Einwand akzeptiert werden. Jetzt gibt es zwei Umstände, welche den Einwand falsifizieren.
1) Die Berechnung könnte nach Schritt 8 in einem Modell enden, welches uns Menschen als Ausgangsbasis vollkommen unmöglich erscheint. Trotzdem könnte man aus dem Modell die gleiche Umgebung ableiten, welche wir heute vorfinden.
2) Bei Punkt 3 könnte sich herausstellen, dass jene Fakten, die zu Schleifen führen sehr stark durch menschliche Eigenschaften verursacht sind. Dies könnte dazu führen, dass sämliche Fakten so untersucht werden, „als hätte der Mensch nichts zu sagen“, „als wäre er nicht kreativ“, als könnten seine psychopathologischen Anfechtungen keinen geschichtlichen Einfluss verursachen. Ich spreche hier das Problem der Reproduktion ganz bewusst noch nicht an.
In obiger Schrittfolge wurde ein anderes Problem ebenfalls bis jetzt unter den Tisch gekehrt. Es ist dies das Problem der Rekursion. Da der Computer den „dokumentierten Informationsstand“ untersucht, ist ihm auch jede Basisprogrammierung bekannt. Der Computer „weiß“, warum er etwas macht, er weiß „wie“, aber er weiß nicht, warum wir genau jenes Programm eingesetzt haben. Er weiß nicht, „warum wir Menschen dieses Programm eingesetzt haben.“ Er kann nur Annahmen aus dem Wissensfundus ableiten. Da wird wohl herauskommen, dass Menschen immer neugierig waren. Vielleicht wird auch herauskommen, dass wir Menschen uns eine Antwort auf Fragen erwarten, die wir nicht selber finden können.
Wir wollen, dass der Computer jene Fragen für uns löst. Daher übersetzen wir unsere eigenen Fragestellungen in für Computer verständliche Fragen. Der Computer ist ein Spiegelbild. Wir bauten (nicht „schufen“) den Computer nach unserem Ebenbilde. Der Computer ist nicht menschgleich, ebensowenig wie der Mensch gottgleich ist. Doch die Parallelität ist verblüffend.
Der Computer ist kein Mensch und wird nie einer sein. Genauso wenig, wie wir ein Gott werden können.
Der Computer und der Mensch teilen eine Gemeinsamkeit. Beiden sind Bewusstseinsgrenzen gesetzt. Weil wir unsere Grenzen nicht akzeptieren, halten wir uns für überlegen. Doch vielleicht ist es genau umgekehrt…


  1. ich bin zwar ein mensch mit eher beschränkten geistigen fähigkeiten …
    für mich wäre die nagelprobe, ob ein computer menschengleich ist, dass er eigenständig in der lage ist, unerwartete synapsen zu bilden, ohne den gesamten kanon an gespeichertem wissen durchzudeklinieren, und dass er damit eigenständig in der lage ist, fragen zu stellen, die sich aus seiner „denkarbeit“ ergeben, er also „schöpferisch“ und „individuell“ wird. da der computer in der lage ist, auf das gesamtwissen der menschheit zurückzugreifen, welcher mensch könnte das, wäre er dem homo sapiens unbedingt überlegen …
    wenn man sich nicht unbedingt als eine einmalige schöpfung gottes ansieht, geschaffen nach seinem bilde, muss man sich darauf gefasst machen, so denke ich, dass dieser punkt der entwicklung kommen wird.
    nur … , dann wird es die „Krone der Schöpfung“ sehr schwer haben …
    möglicherweise eine subtile art der apokalypse … ???

  2. Gesetzt den Fall, es existierte ein Computer der wirklich alle Fragen und Antworten logisch und zielführend (also zum Wohle des gesammten Planeten, incl. Mensch) errechnen könnte, und nehmen wir einmal an, der hätte auch Exekutivgewalt, es wär zumindest das Ende westlich geprägter Zivilisation.
    Weil warum?
    Allein mit unserem beschränkten Wissensstand können wir nicht negieren, dass wir im Allgemeinen egomane Schmarozer sind.
    Das wär das Eine.

    Das Andere ist:
    Die Frage zur Antwort 42 stellt sich nicht, wäre sie doch mathematischer Natur, und da wurschteln wir immer noch mit einigen Axiomen herum, was Mathematik, obwohl ziemlich präzise, doch mit Unschärfe behaftet, wenn auch im homöopatischen Bereich.
    Zudem eignet sich Mathematik nicht für allumfassende Antworten.
    (Die Farbe Blau kann z.B. zwar in einem Bereich der Wellenlängen als Zahl definiert werden, von Blau weiß ich da aber noch gar nichts (Wittgenstein hat sich daran bereits vergeblich versucht), was nichts weniger heißt, als dass Sinn anderswo zu suchen ist.)

    Bewusstsein ist individuell. Sowenig wie es ein Bewusstsein der Menschheit gibt, wird es wohl auch keine anderes allumfassendes geben.

  3. HARFIM

    Manche Männer geben sich ja auch mit einer aufblasbaren Gummipuppe zufrieden, um Liebe zu machen. und manche Frauen mit einem Vibrator. Warum sollte nicht für manche Menschen auch im Denken und Fühlen überhaupt ein Computer überlegen sein? Vielleicht kommt es in der Entwicklung für den Einzelnen darauf an, möglichst nicht dazu zu gehören? So lange es nur geht halt 🙂
    Im übrigen erinnere ich mich schwach an eine Geschichte von Lem über einen traurigen Roboter, der war so „menschlich“, der war depressiv wie Bonanza zur Weihnachtszeit 🙂

  4. frohes neues ich denke, dass der mensch selbst eine art biomaschine ist. alles ist natur. auch maschinen sind natur – nur eben vom menschen hergestellt und nicht direkt erzeugnisse der evolution. indirekt aber schon.
    früher oder später wird es maschinen geben, die ähnlich komplex aufgebaut sind wie der mensch. und ich nehme an, dass diese maschinen, welche dann in diesem sinne nicht mehr maschinen zu nennen sind, auch ähnliche geistige eigenschaften wie der mensch besitzen werden.




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