Was man darf

Vielleicht darf man als Botschafter nicht schlecht über das Gastland sprechen. Es ist ja auch sprichwörtlich, dass Diplomatie die hohe Kunst der Lüge ist.
Also ich fand die Aussagen des türkischen Botschafters über Österreich recht erfrischend. Und auch nicht falsch.
Eigentlich hat er nur einen Irrtum begangen. Er hat sich als echter Freund gesehen und daher angenommen, dass er auch einmal Klartext sprechen darf.
Aber weder betrachten die Österreicher die Türken als Freund, noch lassen sie sich etwas von einem sagen. Sie lassen sich nämlich von niemandem was sagen.
Weil schließlich SIND WIR WELTMEISTER!

Nicht nur beim Rennautobau sondern vor allem beim
Verdrängen.


  1. Ich fand das auch erfrischend und sehe es ein bisschen im Kontext mit der deutschen Sarrazin Debatte (die im übrigen erbärmlich geführt wurde). Obwohl ich ihm in einigen Punkten energisch widersprechen würde. Aber es ist wenigstens mal Klartext – jenseits dieses elaborierten Geschwafels, was man sonst immer so hört.

  2. Inhaltlich stimme ich seinen Aussagen durchaus zu (mit wenigen Einschränkungen). Und trotzdem find ich das nicht wirklich gut. Nicht, weil ich eine beleidigte Leberwurst bin oder mich gekränkt fühle, aber ich denke, in Situationen wie diesen geht es darum, zu vermitteln, Konflikte zu ent- anstatt zu verschärfen. Wie man sieht, ist aber genau das passiert. Man setzt sich nicht mit inhaltlichen Argumenten auseinander, wenn man sich angegriffen fühlt.

    Wenn ich in solche Fettnäpfchen treten würde, na gut. Würde zu mir passen. Einem Botschafter sollte so ein Fauxpas nicht passieren. Ein Diplomat heißt ja auch Diplomat, weil man von ihm erwartet, dass er diplomatisch ist.

  3. die wahrscheinlichste Theorie Er ist ein guter Freund von Faymann und Pröll. Und die haben ihn gebeten: „Geh, sag doch irgendetwas über die Behandlung der Türken in Österreich, tu uns den Gefallen!“
    Hat er gemacht.
    Hat funktioniert.
    Kein Mensch spricht mehr vom Budget!

    Das ist Diplomatie.
    Oder Demagogik.
    Oder Verarsche.
    Oder typisch österreichisch.

  4. Ich habe eben… dieses Interview mit angehaltenem Atem gelesen. Aus der Distanz betrachtet muss ich sagen: Ein hervorragender Text! Nie hat mir jemand die Türken und ihr Leben im Westen besser erklärt. Österreich kann stolz drauf sein, Journalisten zu haben, die solche Interviews führen und veröffentlichen können.

    Was den politischen Zündstoff betrifft: Neulich habe ich einen Film über die Kuba-Krise am Fernsehen gesehen. Da fiel der Satz: „Denk an die Appeasement-Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg. Wenn Du Aggressoren Raum gibst, dann werden sie noch aggressiver.“ Man muss auch in einem Land, in dem Rechtsnationale viel zu sagen haben, noch Klartext reden dürfen.

    Im übrigen wird der Botschafter wahrscheinlich selber am meisten Arbeit mit den Folgen dieses Interviews haben. Also, chapeau vor ihm.

    Merkwürdig mag vielen vorkommen, dass er die türkische Matur für Türken verlangt. Das finde ich auch übertrieben. Aber die Sprachforschung hat gezeigt: Migrantenkinder lernen die Sprache in ihrem Zielland besser, wenn sie sich auch in ihrer Muttersprache eine hohe Kompetenz aneignen – am besten ausserhalb der Familie.

  5. doch noch eine fußnote von mir hierzu: in österreich gibt es (immer noch?) die rede-, meinungs- und pressefreiheit. für mich ist klar, dass auch ein diplomat seine meinung frei äußern darf, jedenfalls ganz sicher dann, wenn er sie nicht in seiner funktion von sich gibt.




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