Prolog

Der Titel dieses Buches „2041“ ist nicht besonders originell, die Anbiederung an „1984“ ist zu deutlich wahrnehmbar. Auch die Bedeutung des Zahlenverdrehens kann genauso wie bei 1984 verstanden werden. Allerdings wird es einen Unterschied geben. Im Jahr 2041 wird man diesen Text nicht mehr lesen können. Obwohl die hier beschriebenen Vorkommnisse rein fiktionalen Charakter haben, werden sie den realen Zuständen in 2041 viel zu ähnlich sein, dass sie nicht einer bestimmten Zensur zum Opfer fallen müssten. Gäbe es nämlich jemanden, der an den realen Umständen zu rütteln versuchte, oder gar danach trachtete sie zu ändern, wäre die Kenntnis der zugrunde liegenden Entwicklungen ein möglicher Ansatzpunkt, an einer bestimmten Stelle anzugreifen.
Die dargestellten Entwicklungen könnten Aufschluss über Schwachstellen des Systems geben. Nicht dass dieses System zu viele Schwachstellen hätte, aber es ist immer leichter anzugreifen als zu verteidigen. Möglicherweise gibt es einen „single point for failure“, der ein stabiles System wie ein Kartenhaus zusammenfallen lassen kann.
Glaube ich heute, dass die Kenntnis der Vorgänge im Vorhinein etwas verhindern könnte? Die Antwort ist von meiner Seite ein klares Nein. Aber ich kann nicht schweigen, ich kann nicht verschweigen, dass die Route bereits klar vorgezeichnet ist. Ob ich die systematischen Denkfehler der menschlichen Wissenschaft wirklich richtig erkannt und analysiert habe, ist weniger wichtig als die Strömung zu beschreiben, die uns mitreißt. Diese Strömung ist von teilweise positiven Anlagen und teilweise von verantwortungslosigkeit der Menschen getrieben. Es hilft auch nicht, wenn wir uns klar werden, dass wir aus der Geschichte nichts gelernt haben.
Die Entwicklung, die bereits begonnen hat, lässt sich nicht mehr aufhalten. Vielleicht werden nur Masochisten meine Ausführungen lesen, vielleicht kann ich aber auch etwas zum Verständnis beitragen, wieso alles so kommen wird.
Der Ausgangspunkt ist ein geschichtliches Vorkommnis, dass sich 2014 zugetragen hat. Die Besetzung der Krim durch russische Truppen. Ich schreibe das ohne Vorverurteilung zu betreiben. Es geht nur um den historischen Zeitpunkt, der ursprünglich durch die Ereignisse am Majdan in Kiew zeitlich verankert werden kann.
Des Weiteren gab es am 9. Juni 2013 eine einschneidende Mitteilung, welche die allgemeine, weltweite Bespitzelung durch einen amerikanischen Geheimdienst verlautbarte. Für den Laien war dies gleichermaßen alarmierend wie unglaubwürdig. Die Überwachung als solche ist böse, kann aber in Wirklichkeit gar nicht so stattfinden, weil das viel zu viele Daten wären, die verarbeitet werden müssten. In der gleichen Zeit warben allerdings die großen Mitspieler in der Informationslandschaft mit ihrer Beherrschung von „bigdata“. Bigdata beschreibt Datenmengen, die über das normale Erfassungsvermögen der Menschen hinausgehen. Ein klassisches Beispiel wäre hier zum Beispiel die Erfolgsmeldung eines dreibuchstabigen Konzerns, welcher mit einem seiner Groß-Computer menschliche Intelligenz herausforderte und in einem durchaus anspruchsvollen Spiel gegen die menschlichen Kontrahenten gewann. Die Grundlage für diesen Gewinn war die Speicherung von zweihundert Millionen Milliarden Daten, die einige Jahre vorher den aktuellen Inhalt dessen darstellten, was im Internet gespeichert war. Innerhalb weniger Sekunden konnt der Rechner aus irreführenden Beschreibungen den erfragten Begriff herausfinden.
Im Jahr 2014 wussten wir also von der Bespitzelung, wir konnten uns ausrechnen, dass die Daten auch wirklich verarbeitet werden konnten. Und wir sahen, dass das weltpolitische Machtspiel mit den gleichen Methoden weitergeführt wurden, wie sie schon die alten Römer beherrscht haben.
Dann interessiert auch noch das Jahr 2029. Das allerdings soll nicht hier im Prolog besprochen werden. Ein bisschen Neugier soll erhalten bleiben.


  1. Sunnilein

    Wäre es nur… eine resümierende Art von Geschichte, die Sie erzählen, dann könnte man sich getrost zurücklehnen und denken „Jaja…“. Leider ist dem nicht so und genauso leider wird es genau so sein. Nein, es ist nicht aufzuhalten. Der Mensch an sich scheint Freude an seiner eigenen vollständigen Zerstörung zu haben und schaut sich großäugig zu, wie der Wahnsinn, dem guten alten Zauberlehrling gleich, seinen vorbestimmten Lauf nimmt. Ich hoffe, es bleibt genügend Rotwein für den Schluß.

  2. HARFIM

    in der DDR geriet man in Gefahr in den Knast zu kommen, wenn man „1984“ nur weiter verliehen hat, erzählte mir damals jemand, den ich das Buch geliehen hatte und sah mich so seltsam an.
    Im Westen war es wohl nie verboten, aber gerade hier wird die Bewachung perfektioniert, dass sie Orwellsche Züge hat. Das hat noch nicht einmal die Stasi geschafft.
    Und die Herrschenden wissen wie ungefährlich jegliche Literatur ist, denke ich mal, Mielke und Co. waren zu schlicht irgendwie…

  3. Sunnilein

    In der DDR… hatten die Schlichten ihre guten Berater, sonst hätte man nicht 95% der westlichen Literatur verboten und den Rest bekam man nur, wenn man den Buchändler kannte…als „Bückdichware“ von unterm Ladentisch. Im Ernstfall klaute man sie sich auf der Leipziger Buchmesse unter großem Risiko (Arbeit verlieren, Kinder weggenommen bekommen, keine Wohnung erhalten, wenn man erwischt wurde) Gut war der dran, der eine gewitzte Oma hatte, die in den Westen fahren durfte. Meine brachte mir damals Falladas Erzählungen mit und dazu folgende Geschichte. Der DDR-Kontrolleur fand das Buch natürlich sofort, sie hatte es auch nicht sehr versteckt. Er nahm es in die Hand, blätterte und meinte in bestem Sächsisch „Fallllaaaadaaa, wer isn das?“ Meine schlagfertige Großmutter sagte „Ach, so ne Art Komiker, der macht Witze…“ (Der arme Fallada hätte sich im Grabe umgedreht, aber Not heiligt die Mittel) Die Antwort war: „Na da nähmse de Witze ma mit…Hammse noch mähr von dem?“ „Nö,“ meinte Oma, denn die Zeitschriften trug sie unter der Unterwäsche am Körper…Und er verschwand aus dem Abteil. So kam ich ab und an zu einem lesbaren Buch…und dazu noch zu ein paar Zeitschriften.Was haben wir es doch heute gut! Ich glaube, bei aller Problematik, manchmal vergessen wir das auch gern….

  4. ich wollte dir schon längst – falls du ihn nicht kennst – arkadi babtschenko ans herz legen. seit ich sein buch „die farbe des krieges“ gelesen habe, wundert mich gar nichts mehr, was ich von russland lese. bin neugierig, „wohin“ du denkst.




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