Was endet und was bleibt

Es ist schon bekannt, dass ich nur über Musik und Arbeit schreibe. Alles andere würde zu sehr in die Belange von anderen Menschen eingreifen, daher versage ich mir manches, worüber ich gerne kommentieren würde.
Also heute ist die Arbeit dran:
Ich habe vergangenen Freitag die Firma in Serbien zur Liquidation angemeldet. Nein, kein Konkurs. Sie wird einfach geschlossen. Gerade als die Entscheidung gefallen war, kamen noch ein paar Anfragen.
Daher werde ich im Juni noch ein paar Schulungen machen. Ein größerer Auftrag, der sich ergeben könnte, wird von Wien aus erledigt, falls er wirklich eingeht.
Heute gab es die Bekanntgabe bei uns in der Wiener Firma. Obwohl das Serbien-Projekt letzten Endes Verlust bedeutet hat, wurden mir noch ein paar Rosen gestreut.
Ich habe es halt versucht. Such is life.
Mich schmerzt es nur ein bisschen, dass ich den besten Mitarbeiter nicht nach Wien locken konnte. Er hätte so gut zu unserem Team gepasst.
Aber irgendwie habe ich mich damit abgefunden. Es ist ja eigentlich schön zu sehen, dass es noch fachlich gute Leute gibt, die in ihrer Heimat bleiben, wenn die meisten ins Ausland flüchten.
Ich sollte eine Flasche Wein aufmachen. Ha, es gibt ja noch einen Rest vom 2003 aus der Provence, den wir gestern zur Feier des Tages geöffnet haben. Den trink ich jetzt aus.
Ich bin etwas traurig. Es ist letztlich eine Niederlage. Das wäre nicht so schlimm. Bis jetzt bin ich immer wieder aufgestanden. Nur jetzt wird es keinen neuen Anlauf mehr geben. Jetzt freue ich mich auf die Pension.
Der nette Kollege, der mich auf seinem Heimweg bei mir zuhause absetzt, meint zwar: geh so richtig in Pension gehst Du ja gar nicht. Das meint er ehrlich. Und vor zwei Jahren hätte er recht gehabt. Doch jetzt ist es aus.
Ich übe lieber an der Opus 109. Das ist zwar ein teuflisches Unterfangen, doch ich habe ja den Rest meines Lebens dafür Zeit.
Beethoven 30. Sonate
Eine Aufnahme aus dem Jahr, in dem ich 4 Jahre alt war.
So kann man auch 60 Jahre überbrücken.


  1. man berührt immer die belange anderer menschen… ausser man schreibt ausschließlich über abstrakte philosophische themen.

  2. Sunnilein

    Niederlage? „Ich hab es halt versucht“ – Genau das beinhaltet, dass es keine Niederlage sein kann. Die Traurigkeit ist mit Sicherheit dem Gefühl geschuldet, dass eine Sache zu Ende geht und man seinen Beruf geliebt hat, aber in Pension eben andere Dinge tun wird. Aber eine Niederlage ist ein Versuch, der dazu noch mit solch einer Intensität betrieben wurde und doch auch sicher viele gute Ereignisse, Menschen, Erkenntnisse mit sich brachte, nie. Es ist letztlich eine Bereicherung, nur mag man das an solchen Tagen noch nicht sehen. A votre santè , Monsieur! Auf ein Neues, ein Anderes!

  3. Scheitern wäre etwas Anderes.
    Ich meine, du hast da ja über Jahre sehr positiv gewirkt und eben auch Dinge ermöglicht, die sonst nicht geschehen wären.
    Wir sind immer nur ein Teil und haben Teil, aber das ist doch schon was.
    Letztendlich bleibt es ein Versuch, ob das nun der Opus 109 oder sonstwas ist, und nur wir selbst wissen wie weit wir damit gekommen sind, und das ist es (denke ich).




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