Gut ist’s gegangen, nix is g’scheh’n

12Fazit des heutigen Tages: es war ein wunderschöner Tag.
Es hat zwar mit einer kleinen Panne begonnen, weil ich noch um drei Uhr morgens einen Programmtext verfasst hatte, den ich dann nicht ausdrucken konnte, weil beide Drucker bei mir zu Hause nicht funktionierten.
Ich hatte aber sowieso angekündigt, dass ich begleitende Worte sprechen würde. Die waren dann für den ersten Teil zehn Minuten und für den zweiten Teil 5 Minuten. (Text im Kommentar) Die Einbegleitung wurde sehr gut aufgenommen und ebenfalls das Gespielte. Es hat mich natürlich besonders gefreut, dass der Schubert so gut angekommen ist. Während des ganzen Konzertes waren die Leute mucksmäuschenstill und konzentriert.
Die Rückmeldungen waren besonders erfreulich, weil sie nicht einfach „schön war’s“ waren.
Obwohl es ein privates „Event“ war, kamen doch 120 Verwandte und Freunde. Es wird auch einen Bericht in den lokalen Zeitschriften geben. Ist doch gar nicht so schlecht.
Das Wetter war nicht besonders, was sich beim Heurigen insofern auswirkte, als wir nicht im Garten sitzen konnte. Trotzdem war die allgemeine Laune großartig.
Es gab Spenden, die tatsächlich die Saalmiete abdecken. Mit ein bisschen PR kann ich solche Konzerte im Jahresrhythmus abhalten, wobei meine Intention ja in die Richtung geht, alle Beethoven-Sonaten aufzuführen.
Es gab einige sehr wohl begründete und verstehbare Absagen, sonst hätte ich wohl ein Zuhörerschaft von 150 Leuten gehabt. Das ist doch für „privat“ gar nicht so schlecht.

Also, LeserInnen, bleibt mir gewogen. Vielleicht habt ihr ja Gelegenheit, beim nächsten Konzert dabei zu sein. Ich werde es sicher ankündigen.


  1. der gesprochene Text (ungefähr) Ich freue mich sehr über Euren heutigen Besuch. Manche „müssen“ ja kommen, weil sie mit mir verwandt sind, bei den anderen mag es schlichte Neugier sein, wie ich mich schlage. Doch ich nehme doch an, dass bei vielen, wenn nicht bei allen das musikalische Interesse im Vordergrund steht.
    Das heutige Programm unterlag in der Auswahl bestimmten Restriktionen: Zeitlich sollte es den Rahmen eines üblichen Klavierabends nicht überschreiten. Es sollte von mir besonders geschätzte Stücke aufweisen und es sollte auch einen gewissen Zusammenhang der Kompositionen geben. Manche Freunde würden fragen, warum spielst Du nicht einfach nur Schubert? Und es wäre eine berechtigte Frage, schließlich ist er durch Jahre hindurch mein Lieblingskomponist gewesen und ist es auch heute noch. Dann gibt es da aber auch noch Beethoven, den ich mir als Pensionsbeschäftigung zum Ziel gesetzt habe. Und es gibt noch viele andere, wie man an den Notenbergen, die sich rund um meinen Flügel zuhause auftürmen, erkennen kann.
    Alle Kompositionen sind aber ganz spezielle Beispiele, die von den Komponisten selbst besonders geschätzt wurden. Das wird im Weiteren aus den Beschreibungen ersichtlich sein.
    Was möchte ich über die Beethoven-Sonate erzählen? Ich habe über die Sonate die Meinungen bedeutender Pianisten gehört und dabei eine bemerkenswerte Übereinstimmung in ihrer Begeisterung für gerade diese Sonate entnommen. So sagt Andras Schiff, dass der letzte Satz dieser Sonate bereits seit seiner Kindheit sein Lieblingssatz aller zweiunddreißig Beethoven-Sonaten wäre. Ein weiterer Pianist, Jonathan Biss, der sich viel mit Beethoven beschäftigt hat, erklärt, dass er siebzehn Jahre an dieser Sonate gearbeitet hat, sie sich ihm aber noch immer nicht vollständig erschlossen habe. Paul Badura-Skoda schreibt speziell über diese Sonate:
    „Die Musik ist eine Frau, einer Frau ist die Musik zugedacht. – Verweile doch, du bist zu schön, scheint die verschwiegene Botschaft zu heißen. Der Grundton E verweilt in der ganzen Sonate. Ruht die Harmonie auf weite Strecken, so gilt alle Liebe und Sorgfalt den Girlanden, der Ausschmückung der Melodie. So wandelbar die Wertung des Wortes Schönheit auch sein möge, in keiner Sonate hat Beethoven ihr Füllhorn reicher ausgestreut.“
    Es gibt einige Besonderheiten über diese Sonate zu berichten. Viele von Euch kennen das Opus 111, die letzte Sonate von Beethoven. Darüber wurden sogar Theaterstücke geschrieben und ihr Variationensatz lässt Stilelemente des Jazz aus dem 20. Jahrhundert erkennen. Nun ist es aber bemerkenswert, dass Beethoven die letzten drei Sonaten gleichzeitig komponiert hat. Und diese drei Sonaten sind so grundverschieden, dass man nicht von „Massenfertigung“ sprechen kann. In der Sonate Opus 109, die sie heute hören werden, gibt es gleich mehrere Besonderheiten. Der mittlere Satz ist eine von zwei Kompositionen, die Beethoven mit der Tempoangabe „prestissimo“ angeschrieben hat. Der letzte Satz kann als eigentlicher Schwerpunkt der Sonate angesehen werden, er ist doppelt so lange, wie der erste und der zweite Satz zusammen genommen. Und, Zitat: Andras Schiff, diese Sonate hat eigentlich weder Anfang noch Ende. Das erste Thema wird leise in nur acht Takten abgehandelt, dann folgt bereits das zweite Thema – nicht wirklich länger- und mit einer Besonderheit, die erstmalig bei Beethoven auftritt. Das Tempo von erstem und zweitem Thema sind unterschiedlich. Doch ich bekenne freimütig, dass ich diese Sonate nie so besonders beachtet habe. Seit fünfzig Jahren höre ich immer wieder einmal Beethoven-Zyklen, bei denen alle Sonaten gespielt werden. Mittlerweile wird die Sonate bei jedem Spiel interessanter für mich.

    Die Chopin-Ballade hat ihre eigene Geschichte. Ich kann hier nur ein Zitat von Arthur Rubinstein bringen. Er schreibt: Chopin war ein Genie für die Allgemeinheit. Seine Musik gefällt den unterschiedlichsten Zuhörern. Wenn die ersten Noten einer Komposition ertönen, geht ein allgemeines Raunen des Wiedererkennens durch die Konzerthalle. Menschen auf der ganzen Welt kennen seine Musik. Sie lieben sie und sie werden von ihr bewegt. Trotzdem ist es keine „romantische Musik“ im Sinne eines Byrons. Sie erzählt keine Geschichten und sie malt keine Bilder. Sie ist Ausdruck und darüber hinaus „persönlich“, und dabei bleibt sie reine Kunst. Chopin bleibt bedeutungsvoll, selbst in unserer vom Atom geprägten Zeit, in der Emotionen nicht mehr in Mode sind. Seine Musik ist eine universelle Sprache für die menschliche Kommunikation.
    Wenn ich Chopin spiele, spreche ich unmittelbar zu den Herzen der Zuhörer.
    Robert Schumann schreibt Folgendes: Ich habe eine neue Ballade von Chopin erhalten. Sie scheint seinem Genius am besten zu entsprechen (selbst wenn sie nicht originellste ist) und ich habe ihm gesagt, dass ich sie von all seinen Komponisten am meisten schätze. Nach einer ziemlich langen Pause antworte er sehr bewegt: Ich bin sehr froh, das zu hören, weil auch ich sie am meisten mag und als mir teuerste Komposition schätze.

    Die „kleine Suite“ von Alexander Porfirjewitsch Borodin gilt als sein Hauptwerk für Klavier. Sie besteht aus sieben kleinen Gedichten über die Liebe eines jungen Mädchens, über die der Komponist folgende Beschreibungen getitelt hat:
    1) In der Kirche kann man nur Gedanken an Gott haben. – 2) Träume über das gesellschaftliche Leben
    3) Gedanken über das Tanzen 4) Die Gedanken kreisen über das Tanzen und den Tänzer
    5) Schwärmerei über den Tanz 6) Träumen von der Liebe 7) Überwältigt vom Gefühl, verliebt zu sein
    Der Komponist war 37 Jahre, als er mit den Kompositionen begonnen hat, erst 1885 wurde das Werk veröffentlicht und dabei der Comtesse Marie-Clotilde-Elisabeth Louise de Riquet, comtesse de Mercy-Argenteau gewidmet.
    Ich habe dieses Werk in das Programm aufgenommen, weil das Komponieren für Borodin „nur“ seine dritte Beschäftigung war. Er ist heute noch als Chemiker berühmt und bekannt. Er hat nicht nur als Arzt gewirkt, sondern auch ermöglicht, dass Frauen Medizin studieren durften. Einmal hat er sich in einem Schreiben beklagt, dass er ja gar keine Zeit zum Komponieren habe, weil er so beschäftigt sei. Seine Melodien wurden oft in Schlagern und Musicals zitiert, um nicht gestohlen zu sagen.
    Der heutige Schubert bedeutet etwas Besonderes in meinem Leben. Die Sonate DV-960 ist der Grund, warum ich heute noch Klavier spiele – oder besser gesagt – nie mit dem Klavierspielen aufgehört habe. Mein Vater hat sie oft gespielt und sie hat mir so gut gefallen, dass ich sie unbedingt auch spielen können wollte. Daher habe ich auch im Alter von vierzehn Jahren am Klavierspiel festgehalten, obwohl es vielleicht noch andere interessante Themen gegeben hätte.
    Die Sonate ist traurig. Eine letzte Begleitung, die auch einige Motive aus den Liedern der Winterreise enthält. Dass der erste Satz eigentlich „etwas abschließt“, hat Paul Badura-Skoda beschrieben. Man erwartet nichts mehr. Dann kommt aber der zweite Satz und der ist noch trauriger. Der dritte Satz enthält einen „Engelswalzer“, bei dem die Begleitung umgekehrt erscheint. Für den letzten Satz habe ich eine Erklärung, die ich sonst nicht gehört habe. Einige beschreiben den letzten Satz als Rückkehr zum Leben.
    Mein Verständnis ist nicht „wieder die Lust zu leben und leben zu wollen“, sondern der absolute Abschied. Ich sehe hier das Bild eines Fiakers. Der Kutscher schnalzt mit der Peitsche (die offene Oktave) und die Pferdchen trappeln über ein Kopfsteinpflaster los. Das wiederholt sich einige Male. Dazwischen gibt es liebliche Bilder auf Wien, die Pausen vor einem Gewitter, das Los-Donnern mit anschließendem Galopp durch nasse Straßen. Die große Steigerung, die mit den Arpeggien wieder zurückführt, ist ein Rückblick auf die Dinge im Leben, die nicht so gut gelaufen sind. Vor der Coda gibt es noch ein paar Mal den Versuch, die Pferdchen anzutreiben. Doch diese Versuche geraten immer schwächer, offensichtlich ist der Kutscher auch schon am Ende seiner Kräfte. Und dann raffen sich die Pferde noch einmal ein letztes Mal auf. Mit aller Stärke und Vehemenz stürmen sie los, aber diesmal bleiben sie nicht auf der Straße. Es geht himmelwärts. Und dann ist es endgültig aus.
    Hans Hartmann (Übersetzungen der Zitate aus dem Englischen)

  2. freut mich sehr, dass alles klappte. du könntest ruhig etwas euphorischer klingen. wahrscheinlich bist du aber von der ganzen geschichte nun doch etwas müde. hoffentlich findest du etwas zeit zur entspannung.




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