Archiv für April, 2017

Die Realität, ein Traum

An einem Neunten, Monat und Jahr tun nichts zur Sache, war ich für einen Vortrag eingeplant. Das Datum war festgelegt und in meinem Kalender vermerkt, die Präsentation hatte ich mit großer Hingabe, weil das Thema mich faszinierte, vorbereitet. Dabei hatte ich viele Quellen und Bildansichten benützt. Der Ort der Präsentation war auf der Universität.
Als ich dort meinen Laptop ausgepackt hatte, versuchte ich probehalber, die Präsentation zu öffnen. Doch ich fand sie nicht. Ich hatte es mir zur Regel gemacht, derartige Daten zusätzlich noch einmal auf einem USB-Stick zu speichern, um bei einem Ausfall des Rechners auf einen Ersatz ausweichen zu können. Das traf aber an diesem Nachmittag nicht zu. Die Zuhörer fingen an, sich zu versammeln, einige Kollegen fragten mich, ob sie mir helfen könnten. Ich bat um den Ankündigungstext des Vortrags. Er lautete ungefähr: „Innovation durch den Computer“. Es war aber aus dem Beschreibungstext ersichtlich, dass es sich meine Rede Thema Beschleunigung und Verbesserung beziehungsweise um die begrifflichen Gegenteile handeln sollte.
Als ich akzeptieren musste, dass meine Unterlagen nicht auffindbar waren, beschloss ich ganz ohne Unterlagen auszukommen. Ich befürchtete nicht, dass ich damit scheitern könnte. Meine Erfahrungen mit Stegreifreden waren schon ganz gut gewesen, und das betreffende Thema hatte mich schon lange Zeit beim Schreiben eines Buches in seinen Bann gezogen.
Ich begab mich auf die Rednerbühne. Die war allerdings nicht sehr stabil und wackelte. Man musste über eine Art Laufsteg, der sich wackelig anfühlte. Er schien jeden Augenblick zusammenbrechen zu wollen. Neben der Bühne befand sich ein durch Vorhänge abgegrenzter Bereich mit zwei Reihen Sitzplätzen. Obwohl ich bereits das akademische Viertel für den Beginn verpasst hatte, es war mittlerweile bereits halb vier geworden, strömten noch immer Zuhörer in den Saal. Es waren geschätzte dreihundert Personen jeder Altersstufe und jedes Standes. Professoren der Universität kamen ebenso wie viele Bekannte von mir, denen ich ein Interesse gar nicht zugetraut hätte. Jetzt erinnerte ich mich, dass dieser Vortrag nicht nur für 15 Uhr, sondern als Wiederholung auch für 17 Uhr, für 19 Uhr und für 21 Uhr angekündigt worden war. Ich würde ihn also wiederholen müssen.
Um punkt halb vier nickte ich und begrüßte kurz die gewaltige Zuhörerschaft, die sich mittlerweile wohl gewundert hatten, warum ich nicht auf der Bühne, sondern eher mitten im Raum stand. „Wer hier im Auditorium meint, dass der Computer Beschleunigungen in unser Leben gebracht hat?“ Mit dieser Frage eröffnete ich meinen Vortrag. Es gab laute Rufe der Antwort. Der akustische Eindruck vermittelte eine sehr geteilte Meinung. Die Hälfte stimmte für ja, die andere lauthals dagegen.
„Sie haben beide recht.“ Bemerkte ich. “Meine persönliche Erfahrung hat mir gezeigt, dass ich auf medizinischem Gebiet rascher und unproblematischer versorgt worden bin. Doch in einigen Bereichen scheinen sich die Vorgänge verlangsamt zu haben. Dies schien beim Publikum auf große Zustimmung zu stoßen. Ich marschierte auf dem Mittelgang auf und ab und schilderte die Verbesserungen, die ich selbst als solche empfand. Danach erzählt ich über die Schwierigkeiten, die es bei der Behebung von Ausnahmezuständen gab. Die Zeiten, welche verstrichen waren, weil gesamte Abläufe voll automatisiert worden waren. Wenn unerwartbare Unfälle oder beispielsweise Kupferdiebstähle, die Reparatur einer Eisenbahnstrecke sehr lange andauern ließen, konnte ich das auf die Ausdünnung des menschlichen Personals zurückführen. Ich merkte, dass ich mit meinen Ausführungen in politische Ansichten abglitt. Für mich selbst merkte ich mir vor, dass es höchste Zeit war, mein Buch zu einem Abschluss zu bringen.
Meine Darbietung wurde bejubelt. Ich hatte danach eine Viertelstunde Zeit, bis ich sie neu wiederholen musste. Bei der Wiederholung brachte ich die Geschichte, die Peter Rosegger anlässlich der Einführung der Eisenbahn erzählt hatte. Die Reaktion der Menschen auf Neues hätte er heute genauso beschreiben können. Aber das ist eine andere Geschichte.




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